Impfung entschärft Masern
Kinderkrankheit führt oft zu Folgeerkrankungen
„Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit und die Schutzimpfung sollte genutzt werden.” Das sagte Prof. Dr. Jörg Hinrich Hacker, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), im Vorfeld der in Mainz stattfindenden ersten Nationalen Impfkonferenz am 5. März 2009. Hacker reagierte damit auf die Masern-Bilanz des Jahres 2006, wonach diese Krankheit verantwortlich für mehr als 2.300 Erkrankungsfälle war, darunter sieben Gehirnentzündungen, eine Hirnhautentzündung, 45 Mittelohrentzündungen und 51 Lungenentzündungen. 15 Prozent der Erkrankten mussten im Krankenhaus behandelt werden, zwei starben.
Aus dem Robert-Koch-Institut wird gemeldet, dass die Zahl der Masernfälle in den vergangenen Monaten deutlich angestiegen ist. In Hamburg seien seit Jahresbeginn mehr Menschen an Masern erkrankt, als in den vergangenen drei Jahren zusammengenommen. Zudem wurde aus dem Institut darauf hingewiesen, dass sich Deutschland dem Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verpflichtet hat, die Masern zu eliminieren. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten 95 Prozent aller Kinder zweimal geimpft sein.
Die Fachzeitschrift Lancet berichtete Anfang 2009, dass es in Deutschland im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Staaten noch zu viele Masernfälle gebe. Allerdings konstatiert das RKI Fortschritte. So seien die Impfquoten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Nach vorläufigen Daten des Jahres 2007 lagen sie bei Schulanfängern bei 95 Prozent für die erste und bei 87,6 Prozent für die zweite Masernimpfung. Insgesamt jedoch sei die Quote zu niedrig und es gebe Impflücken, die insbesondere bei Jugendlichen zu finden seien. Die Kinder- und Jugendgesundheitsstudie des RKI zeige, dass rund ein Viertel der Jugendlichen nicht über einen ausreichenden Masernimpfschutz verfüge.
Engagierte Gesundheitsämter gefragt
In vielen Bundesländern wird entsprechend reagiert. So habe beispielsweise das Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 2008 eine Impfkampagne bei Schülern gestartet und das Gesundheitsamt Pfaffenhofen in Bayern habe mit Hilfe eines sogenannten Impf-Recalls die Eltern von Schulanfängern an Impftermine erinnert und damit etwas für die Steigerung der Impfquote getan. In Stade hat das Gesundheitsamt gezeigt, dass Migrantengruppen, die sich häufig präventiven Gesundheitsmaßnahmen entziehen, dann erreicht werden können, wenn auf ihre jeweiligen Besonderheiten eingegangen wird – und das mit vertretbarem Aufwand. Hacker betonte: „Diese Beispiele zeigen, wie wichtig engagierte und ausreichend ausgestattete Gesundheitsämter sind, um die Bedeutung von Schutzimpfungen für den Einzelnen und für die öffentliche Gesundheit in die tägliche Praxis umzusetzen.”
Das RKI wies auf die große Bedeutung der im Frühjahr 2008 verabschiedeten „Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit” hin. Darin seien auch Maßnahmen zur Steigerung der „Durchimpfung” bei Kindern und Jugendlichen vorgesehen. Einen wichtigen Fortschritt bringe beispielsweise die Kinderuntersuchung „U7a” zwischen dem 34. und 36. Lebensmonat. Das mache beim Übergang vom Kleinkind zum Kindergartenkind eine Bewertung des Impfstatus und eine Festlegung des nächsten Impftermins im Vorsorgeheft möglich. Impfungen seien Pflichtleistungen der Gesetzlichen Krankenkassen, bei einer Impfung werde keine Praxisgebühr fällig. (kws)

[...] Die Ausprüche von Masern in Deutschland & Europa zeigen: Ausgerottet sind die Masern noch lange nicht. Laut dem Robert-Koch-Institut, das sozusagen die Heimat der Ständigen Impfkommission (STIKO) ist, sind in Hamburg in den ersten neun Wochen dieses Jahres 104 Menschen an Masern erkrankt, bei elf weiteren Personen besteht der Verdacht auf eine Masernerkrankung. In Hamburg sind damit in den wenigen Wochen seit Jahresbeginn mehr Menschen an Masern erkrankt als in allen Jahren seit 2001 zusammengenommen. Über die Hälfte davon sind Kinder unter 14 Jahren, eine Impfung hätte bei diesen den Ausbruch entschärft. [...]