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Das Singen und die Persönlichkeit

Unsere Stimme ist ein Stimmungsorgan.

Wichtig ist nicht nur das, was wir sagen, sondern vor allem wie wir es sagen. Um gehört zu werden und Anklang zu finden spielt der Klang der Stimme eine entscheidende Rolle. Ist er authentisch, so macht er uns unverwechselbar. Geübt durch Haltung, Atmung und Resonanz spiegelt er unser Wohlbefinden. Hierbei drückt sich insbesondere beim Singen ein archaisches und elementares Bedürfnis aus.

Manche Forscher wollen gar belegen können, dass das Singen schon vor der Fähigkeit zu sprechen entwickelt worden war. Mehr als bei anderen Tätigkeiten ergeben sich überraschende Wirkungen, die beispielsweise aus damit verbundenen hormonellen Veränderungen entstehen. So sorgt unter anderem das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin für eine angenehme Stimmung, einer Mischung aus Euphorie und Beruhigung. Ansonsten wird Oxytocin nur noch beim Sex oder in der Schwangerschaft ausgeschüttet.

Singen fördert Motivation und Kreativität

Die Stimme als Organ gibt es nicht. Sie entsteht immer wieder neu im Zusammenspiel von ganzem Körper und Seele. Dabei wird eine ganze Reihe von Prozessen aktiviert, die das Herz, die Lunge, das Zwerchfell, den Beckenboden, die Bein- und Gesäßmuskulatur, ja sogar den gesamten Kreislauf miteinbeziehen. Der ganze Körper wird stimuliert und beginnt zu schwingen. Die Durchblutung des Gehirns wird gesteigert, die Atmung wird tiefer und liefert mehr Sauerstoff. Das schwingende Zwerchfell aktiviert das Sonnengeflecht, welches wiederum regulierend auf denjenigen Bereich des Nervensystems einwirkt, der weitgehend nicht der willkürlichen Kontrolle durch unser Gehirn unterliegt, das autonome Nervensystem. Bei Kindern steigert Singen die Motivation zu lernen, die Kreativität und die Sprachgewandtheit. Der Mensch kann sich beim Singen gehen lassen und sich der Welt präsentieren, was wiederum der eigenen Kreativität förderlich ist.

Singen macht den Menschen aus

Für den Münsteraner Musikpädagogen Karl Adamek ist Singen eine uralte Form von Selbstheilung und Prävention. Er erforscht seit vielen Jahren die Wirkung des Singens auf die psychische Entwicklung sowie die physische Leistungsfähigkeit und weist empirisch die gesundheitsfördernde Bedeutung des Singens nach. Adamek geht unter anderem im Rahmen der überlieferten chinesischen Heilkunst einem faszinierenden Gesundheitsmodell nach, dem sogenannten Meridiansingen. Für den Musikpädagogen wirkt Singen als Gesundheitserreger. Für uns Deutsche sei die Wiederbelebung des Singens im Alltag, hierbei speziell die Überwindung der Angst vor dem Singen, welche wir als geschichtliches Erbe tragen, auch Gesundheitsprävention. „Das Singen ist für die gesunde Menschwerdung und das gesunde Menschsein in seinen psychischen, physischen, sozialen und spirituellen Aspekten unersetzlich”, so Adamek 1996 in seinen empirischen sozialwissenschaftlichen Befunden, die auch durch neurobiologische Befunde bestätigt wurden. Die Bedeutung des Singens wird als selbstbestimmte Gesundheitsgestaltung erkennbar. Darüber hinaus belegt eine Studie der Frankfurter Universität aus dem Jahre 2004 die gesunde Wirkung auf das Immunsystem. Nur wer singt bekommt weniger Schnupfen, nicht der, der Musik passiv konsumiert. Da bleibt die Wirkung aus. (fwm)




3. Juni 2008 | Kategorie: Prävention

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