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Auf Pandemien vorbereitet

Weltgesundheitstag 2009 widmet sich dem Katastrophenfall

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit derzeit 193 Mitgliedstaaten, wurde am 7. April 1948 gegründet. Aus diesem Grunde findet alljährlich am siebten April der Weltgesundheitstag statt. In diesem Jahr macht die WHO unter dem Motto „Safe Lives – Make Hospitals Safe in Emergencies” auf die Sicherheit von Gesundheitseinrichtungen in Katastrophenfällen aufmerksam.  In Berlin wurde die deutsche Veranstaltung zum Weltgesundheitstag mit dem Titel „Maßnahmen des Gesundheitswesens im Katastrophenfall” durchgeführt.

Dr. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium (BMG) sagte dazu, die Vorsorgeplanung für die Funktionsfähigkeit des Gesundheitswesens im Katastrophenfall habe in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert. Niemand könne eine „krisenhafte Bedrohung” der Gesundheit der Bevölkerung durch die weltweite Verbreitung übertragbarer Krankheiten ausschließen. Es sei deshalb wichtig, auf die dann erforderlichen Maßnahmen im Gesundheitswesen vorbereitet zu sein. Schröder unterstrich dabei eine funktionierende Zusammenarbeit, weswegen die Bundesregierung andere Länder mittels Koordinierung, wissenschaftlicher Beratung und Entwicklung von Konzepten und Planungen unterstütze.

Die Kräfte bündeln

Auf der Veranstaltung wurde unter anderem über sogenannte Großschadenslagen und die daraus entstehenden Konsequenzen für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung informiert. Bei der Bewältigung stehe die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und anderen Akteuren im Mittelpunkt. Schröder verwies in diesem Zusammenhang auf mögliche Influenzapandemien: „In einem solchen Fall müssen wir alle relevanten Kräfte in Regierung und Verwaltung, öffentlichem Leben und Privatwirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeitsarbeit bündeln. Bund und Länder haben für solche Fälle einen Nationalen Pandemieplan erarbeitet. Dieser Plan wird regelmäßig auf der Grundlage der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und der Erfahrungen aus Katastrophenübungen überarbeitet.” Influenza- oder Grippepandemien werden durch Viren ausgelöst, die das menschliche Immunsystem noch nicht kennt. Daher forderten solche Pandemien bei ihren Auftritten in der Vergangenheit weltweit immer wieder mehrere Millionen Tote.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Prof. Dr. Jörg Hacker, stellte fest: „Die Vorbereitung auf eine Pandemie durch ein neues Influenzavirus hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gezeigt. Vereinbartes Hauptziel ist dabei die Minimierung der Morbidität und Mortalität in der Gesamtbevölkerung.”

Die WHO verfügt über ein umfangreiches Netzwerk, mit dessen Hilfe sie weltweit die Influenza erfasst, überwacht und analysiert.  So kann sie rechtzeitig warnen und sicherstellen, dass Impfstoffe den Viren angepasst werden können. Durch ihre Netzwerke erfasst, überwacht und analysiert sie weltweit das Geschehen zur Influenza. Damit hat sie einerseits eine Frühwarnfunktion und stellt andererseits sicher, dass Impfstoffe an die zirkulierenden Viren angepasst werden können. Zudem hilft die WHO ärmeren und schlechter organisierten Ländern vor Ort. (kws)




8. April 2009 | Kategorie: In Kürze

Ein Kommentar »

  1. Influenza:
    Primäre Übertragung durch
    biotische Tröpfcheninfektion
    extrem unwahrscheinlich –
    Abiotische Übertragung durch
    Trinkwasser?

    Alexander Mauckner, Wilfried Soddemann

    Kontakt:
    Bauassessor Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann
    Mühlenstraße 5b
    48351 Everswinkel
    eMail: soddemann-aachen@t-online.de

    Die primäre Übertragung der Influenza durch die biotische Tröpfcheninfektion ist extrem unwahrscheinlich weil Influenza-Endemien

    • nur in 9% der Fälle (Saison 2004/2005) zusammen mit erkannten Häufungen auftreten.
    • virologisch örtlich singulär auftreten (Influenza-Subtypen und Feintypisierung).
    • geographisch örtlich singulär auftreten.
    • nicht vorrangig in Großstädten und Ballungsgebieten nachgewiesen werden.
    • überwiegend in den kälteren Regionen Deutschlands auftreten.
    • ihre Maxima regelmäßig in bestimmten Kreisen/kreisfreien Städten erreichen.
    • streng parallel zur Ganglinie der winterlichen Kältesumme verlaufen.
    • sich kaum durch Speicheltröpfchen ausbreiten können. Speichel enthält weit weniger Influenzaviren als der – schwerere – Schleim aus Rachen und Nase.

    Fakten
    Influenza-Endemien treten in geringem Umfang zusammen mit erkannten Häufungen auf (9% der Fälle in der Saison 2004/2005) (RKI 2006).

    Influenza-Endemien treten virologisch örtlich singulär auf (Influenza-Subtypen und Feintypisierung) (AGI 2007).

    Influenza-Endemien verlaufen auch geografisch örtlich singulär. Sie werden nicht vorrangig in Großstädten und Ballungsgebieten nachgewiesen. Sie treten überwiegend in den kälteren Regionen Deutschlands auf (Osten mit im Winter kaltem kontinentalem Klima, Südosten, Höhenlagen) (RKI 2007). Sie erreichen ihre Maxima regelmäßig in bestimmten Kreisen/kreisfreien Städten (absolute Spitzenreiter: Frankenthal, Worms, Landkreis Stollberg) (RKI 2007).

    Influenza-Endemien können sich kaum durch Speicheltröpfchen ausbreiten. Speichel enthält weit weniger Influenzaviren als der wesentlich schwerere Schleim aus Rachen und Nase (ANONYM 2003) (GOLDMANN 2001).

    Humane Influenzaviren konnten in den Ausscheidungen von Säugetieren wie Schweinen (fäkal und oronasal), Wildscheinen (fäkal und oronasal), Rindern und Ziegen nachgewiesen werden, so dass grundsätzlich der Übertragungsweg aus der Umwelt über die Gewässer und das Trinkwasser möglich ist (BROWN 2004) (GRAVES et al. 1975) (KADEN et al. 2001) (KAWAOKA et al. 1986) (LANDOLT et al. 2003) (MARKOWSKA-DANIEL et al. 1999) (RKI 1999) (VICENTE et al. 2002) (WEBSTER 1998) (ZHOU et al. 1996) (ZIMMERMANN 2001). Mit ziemlicher Sicherheit werden zukünftig noch weitere mit Influenza A infizierte Tierarten entdeckt (WEBSTER 1998).

    Entfernung und Inaktivierung von Viren bei der Trinkwasseraufbereitung
    Trinkwasser wird in Deutschland oft nicht oder nur grob gefiltert. Die sehr kleinen Viren werden dabei nicht sicher entfernt. Zur Grundwasseraufbereitung weit verbreitete Filtrationsanlagen zur Entfernung von Eisen- und Mangan besitzen hinsichtlich der Elimination von Viren keine Wirkung (WHO 2004). Selbst die in Deutschland als besonders leistungsfähig geltenden Anlagen zur Flockung und Filtration können, auch unter Berücksichtigung der gebräuchlichen Desinfektionsverfahren, deren Effizienz mit sinkender Wassertemperatur abnimmt [Chlorung und Ozonbehandlung] und die bei im Wasser verklumpten Mikroorganismen nur eingeschränkt wirksam sind [Chlorung, Ozonbehandlung und UV-Bestrahlung], die von der WHO geforderten Eliminations- und Inaktivierungsleistungen (WHO 2004) nicht erreichen.

    „Kühlkette der öffentlichen Trinkwasserversorgung“
    Die Kälte ist mit Abstand der wichtigste Parameter zur Konservierung virulenter Influenzaviren im Wasser. Das Temperaturminimum des Talsperrenwassers in Deutschland beträgt während der Monate Januar und Februar 3-4°C. Flusswasser hat sein Temperaturminimum ebenfalls im Januar und Februar eines jeden Jahres. Oberflächennahes Grundwasser hat in Deutschland an der Grundwasseroberfläche – analog zum Boden in 100 cm Tiefe – sein Temperaturminimum von etwa 3°C im Februar und März. Auch aus Brunnen größerer Tiefe entnommenes Grundwasser kann bei mangelhafter Abdichtung zwischen den Brunnenrohren und dem umgebenden Gestein durch Zutritte von Oberflächenwasser beeinflusst und deshalb kälter als das tiefere Grundwasser sein. Bachschwinden, aus denen Oberflächenwasser auf kurzen Wegen zu den Brunnen gelangt, kann die gleiche Wirkung haben. Uferfiltrat aus Brunnen, die nahe dem Ufer von Oberflächengewässern gebohrt wurden, nimmt die Temperatur des im Winter kalten Oberflächenwassers an. Gleiches gilt für Brunnen, aus denen mit Oberflächenwasser angereichertes Grundwasser gefördert wird. Die Erdbodentemperaturen in einem Meter Tiefe entsprechen den Temperaturen der in den Böden frostfrei verlegten Trinkwasserleitungen. Die Temperaturminima der Erdbodentemperaturen in 100 cm Tiefe betragen in Deutschland während der Monate Februar und März 3-5°C (DWD, 2007). Die Temperaturen der Trinkwasserleitungen und des in ihnen transportierten Trinkwassers gleichen sich den Erdbodentemperaturen an. Im Winter kaltes Rohwasser bleibt in den Trinkwasseraufbereitungsanlagen und nach der Aufbereitung zu Trinkwasser in den Wasserbehältern und Wasserleitungen bis zum Hausanschluss der Verbraucher kalt. Das Temperaturminimum des Trinkwassers am Hausanschluss folgt insbesondere dem Verlauf der Kälte im Boden und in den Wasserleitungen. Es stellt sich in den Monaten Februar und März ein. Das kalte Trinkwasser wird erst in den Wohnungen an den Wasserhähnen mit warmem Wasser aus der Hausinstallation gemischt. Damit ist die durchgängige „Kühlkette der öffentlichen Trinkwasserversorgung“ von der Wassergewinnung bis zu den Verbrauchern mit einer Trinkwassertemperatur von etwa 4-5°C in den Monaten Februar und März eines jeden Jahres beschrieben. Kaltes, junges, frisch durch Influenzaviren kontaminiertes Trinkwasser, entnommen aus Oberflächengewässern und schlecht geschützten oberflächennahen Grundwässern sowie aus Karstgrundwasserleitern, kann das abiotische Vehikel sein, das im Winter virulente Influenzaviren bei 4-5°C konserviert und über die durchgängige „Kühlkette der öffentlichen Trinkwasserversorgung“ zu den Menschen transportiert.

    Übertragungswege des Trinkwassers
    Infektionen durch Trinkwasser werden nicht allein durch das Trinken des Wassers übertragen. Weitere Übertragungswege sind das Einatmen von Aerosolen und der Kontakt mit dem Trinkwasser. Eintrittspforten beim Menschen sind die Augenbindehaut, die Nasenschleimhaut, die Mundschleimhaut, die Ohrtrommelfellmembran, Wunden und durch Katheter berührte sonstige Schleimhäute und Gefäßendothelien.

    Schlussfolgerungen
    Die primäre Übertragung der Influenza durch die biotische Tröpfcheninfektion ist schon wegen der strengen Abhängigkeit von Umwelttemperaturen extrem unwahrscheinlich.

    Die Influenza muss durch ein zur Ausbreitung von Infektionen mit zunehmender Kälte zunehmend effizientes abiotisches Vehikel übertragen werden. Deshalb muss für die Übertragung der Influenza nach von der Kälte abhängigen abiotischen Vehikeln gesucht werden. Trinkwasser ist ein solches abiotisches Vehikel.

    Die dargelegten Hinweise und Indizien zeigen, dass kaltes Trinkwasser dasjenige abiotische Vehikel sein kann, mit dem virulente humanpathogene Influenzaviren von den Reservoiren zum Menschen gelangen und überwiegend auf diesem Weg die saisonalen Influenza-Endemien auslösen. Das gilt in besonderem Maße auch für die extrem lebensgefährliche H5N1 Vogelgrippe, deren fäkale Übertragung unstreitig ist.

    Nachweise
    AGI (2007): Arbeitsgemeinschaft Influenza http://influenza.rki.de/agi
    ANONYM (2003): Understanding Sars and other Respiratory Infections May 2003.
    http://www.ifh-homehygiene.org/2003/2downloadabledoc/SARS.pdf
    BROWN (2004): Influenza Virus Infections of Pigs, Part 1: swine, avian & human influenza viruses. http://www.pighealth.com/influenza.htm ; Part 2: Transmission between pigs and other species. Veterinary Laboratories Agency, UK.
    http://www.pighealth.com/influenzaB.htm
    DWD (2007): Deutscher Wetterdienst (DWD), Wetterstation Erfurt-Bindersleben, Erdbodentemperaturen aus 100 cm Tiefe
    GOLDMANN (2001): Epidemiology and Prevention of Pediatric Viral Respiratory Infections in Health-Care Institutions, Children’s Hospital and Harvard Medical School, Boston, Massachusetts, USA, Emerging Infectious Diseases, Special Issue.
    http://www.cdc.gov/ncidod/eid/vol7no2/goldmann.htm
    GRAVES et al. (1975): Human viruses in animals in West Bengal: An ecological analysis, Human Ecology, Volume 3, Number 2 / April, 1975, 105-130.
    http://www.springerlink.com/content/u5408wx5t622ll82/
    KADEN et al. (2001): Gefährliche Verwandtschaft. Schwarzwild – ein natürliches Reservoir für Infektionserreger und Ansteckungsquelle für Hausschweine? Bundes-forschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere: Forschungsreport 1/2001: 24-28.
    http://ticker-grosstiere.animal-health-online.de/20010902-00002/
    KAWAOKA et al. (1986): Intestinal replication of influenza A viruses in two mammalian species, Archives of Virology, Volume 93, Numbers 3-4 / December, 1987, 303-308.
    http://www.springerlink.com/content/g352726672xj5703/
    LANDOLT et al. (2003): Comparison of the Pathogenesis of Two Genetically Different H3N2 Influenza A Viruses in Pigs, J Clin Microbiol. 2003 May; 41(5): 1936–1941.
    http://www.pubmedcentral.nih.gov/articlerender.fcgi?tool=pmcentrez&rendertype=abstract&artid=154671
    MARKOWSKA-DANIEL et al. (1999): Seroprevalence of influenza virus among wild boars in Poland. National Veterinary Research Institute, Swine Diseases Departement, Pulawy, Poland. http://www.medwet.lublin.pl/Year%201999/vol99-05/art222-98.htm
    RKI (1999): Robert Koch-Institut (RKI) Merkblatt für Ärzte Influenza – Verhütung und Bekämpfung (Stand 1999).
    http://www.gapinfo.de/gesundheitsamt/alle/seuche/infekt/viru/grippe/mba/index.htm
    RKI (2006): Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2005, Datenstand: 1. März 2006)
    RKI (2007): Robert Koch-Institut Berlin, RKI, Datenbank der nach Infektionsschutzgesetz meldepflichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland; http://www3.rki.de/SurvStat/
    VICENTE et al. (2002): Antibodies to selected viral and bacterial pathogens in European wild boars from southcentral Spain. J Wildl Dis. 38(3): 649-52.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=PubMed&list_uids=12238391&dopt=Abstract
    WEBSTER (1998): Influenza: An Emerging Disease. Emerging Infectious Diseases 4(3). http://www.cdc.gov/ncidod/eid/vol4no3/webster.htm
    WHO (2004): World Health Organization (WHO), 2004, Guidelines for drinking-water quality, 3rd Ed., http://www.who.int/water_sanitation_health/dwq/gdwq3/en/print.html
    ZHOU et al. (1996): Influenza infection in humans and pigs in southeastern China, Archives of Virology, Volume 141, Numbers 3-4 / March, 1996, 649-661.
    http://www.springerlink.com/content/p220471r1r337521/
    ZIMMERMANN (2001): Krankheiten des Schweines. Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Bern, Vorlesungsskript: 49-51.
    http://www.vetmed.unibe.ch/studvet/download/year4/Erkr%20der%20Schweine_Skript_WZimmermann_234JK_WS0102_081101.pdf

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