Wasser-Strom-Schere gegen Lungenmetastasen
Klinikchef entwickelte neuartiges OP-Gerät
Allgemein wird in der Medizintechnik der Laser als das Gerät schlechthin betrachtet. So setzen insbesondere Menschen mit Krebserkrankungen große Hoffnungen in diese Operationstechnik. Auch wenn viele Lungenchirurgen davon überzeugt sind, dass zur Operation von Lungenmetastasen ein spezielles Lichtskalpell besser sei, als das herkömmliche Messer aus Stahl, so ist das in der Tumorchirurgie noch immer nicht wissenschaftlich bewiesen. An der Klinik für Thoraxchirurgie am Klinikum Bremen-Ost hat man sich von dieser Diskussion befreit und geht mit dem neuen Chefarzt Dr. Albert Linder einen neuartigen Weg.
Linder entwickelte in Kooperation mit einem der größten Hersteller chirurgischer Geräte eine bipolare Wasser-Jet-Schere. Die Thorax-Chirurgen an der Bremer Klinik operieren mittlerweile ausschließlich mit diesem Gerät. Zwischen den Scherenblättern fließt ein speziell modifizierter, hochfrequenter Wechselstrom durch das Lungengewebe, das durchtrennt werden soll. Dieser verschließt die Blutgefäße, bevor die Durchtrennung mechanisch erfolgt. Eine Elektrolyt-Lösung gelangt gleichzeitig durch einen Kanal entlang der Schere an die Schnittfläche des Gewebes, was der zusätzlichen Versiegelung des Gefäßes und dem luftdichten Verschluss der Lunge dient.
Linder erklärte, die Schere sei dem Laser in mancher Hinsicht deutlich überlegen. So sei sie einfacher zu handhaben und führe dadurch zu kürzeren Operationszeiten. Die Patienten sollen sich zudem schneller von dem Eingriff erholen und können daher früher entlassen werden. Darüber hinaus sei der apparative Aufwand geringer und die sechsstelligen Anschaffungskosten für einen Operationslaser entfallen. Weiterhin bedürfe es keiner besonderen Ausbildung des Personals und die baulichen Sicherheitsvorkehrungen im Operationssaal seinen hinfällig. (kws)
