Wieder Hoffnung an der AIDS-Front
Eine Studie am Beth Israel Deaconness Medical Center in Boston unter der Leitung von Daniel Barouch lässt die Hoffnung aufkeimen, dass die Entwicklung eines neuen Impfstoffes gegen das HIV doch in absehbarer Zeit möglich ist. Versuche mit Rhesusaffen legen demnach den Schluss nahe, dass mit Hilfe der eingesetzten Versuchsimpfstoffe eine relativ nachhaltige Immunität eintreten könnte. Die Studie wurde in der englischen Fachzeitschrift „Nature” veröffentlicht und scheint seriös zu sein.
Für die Versuche wurde den Affen eine bestimmte Dosis des sogenannten SI-Virus (SIV = simianes Immundeffizienz-Virus) injiziiert. Das SIV ist ein enger Verwandter des HIV. Bereits im Jahr 2006 wurde festgestellt, dass Kotproben freilebender wie in Gefangenschaft lebender Schimpansen Antikörper zum SIV enthielten. Damals konnten Forscher der Universität von Birmingham, Alabama, unter Leitung von Beatrice Hahn nachweisen, dass bei rund zehn Prozent der Proben die SIV-Antikörper der Schimpansen mit den HIV-1-Antigenen des Menschen reagierten. In zwölf Fällen seien die Testergebnisse der Schimpansen von Kontrolltests an HIV-1 infizierten Menschen nicht mehr zu unterscheiden gewesen, so Hahn.
Bei den aktuellen Versuchen konnten durch die Injektion des SI-Virus die körpereigenen T-Zellen der Affen so stimuliert werden, dass diese eine Immunreaktion des Körpers auslösten. Der Schutz hielt länger als 500 Tage an. Erst im vergangenen Jahr hatte der US-Pharma-Riese Merck die Erprobung eines Impfstoffes, der viel Anlass zur Hoffnung gegeben hatte, eingestellt. Die enorme Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit des HIV führt immer wieder zu Rückschlägen. Daniel Barouch: „Nun besteht wieder Hoffnung.” (kws)
