Schlechte Haltung durch Bewegungsmangel
Haltungsschäden sind für viele Kinderunfälle verantwortlich
Mangel an Bewegung wirkt sich offenbar nicht nur auf den Blutdruck und andere gesundheitliche Funktionen negativ aus. Häufig ist Mangel an Bewegung verantwortlich für Haltungsschäden bei Kindern und offenbar auch Kinderunfälle. Experten schätzen, dass jährlich rund 1,7 Millionen Kinder verunglücken. Dabei ist weitgehend unbekannt, dass es sich nicht in erster Linie um Verkehrsunfälle handelt. Viele Unfälle ereignen sich in Schule, Kindergarten und zu Hause. Diese Erkenntnis hat die Bundesregierung dazu veranlasst, zum Handeln aufzufordern.
So spricht sich Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zusammen mit Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Chirurgische Orthopädie e.V. für die Verbesserung von Rahmenbedingungen aus, die Haltungsschäden und Kinderunfällen vorbeugen. Schmidt sagte: „Der einfache Schlüssel zu weniger Haltungsschäden und zu weniger Kinderunfällen ist und bleibt Bewegung. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Zwölf Prozent der unter vierzehnjährigen Patientinnen und Patienten haben Haltungsschäden, drei Viertel davon sind auf mangelnde Bewegung zurückzuführen.” Die Ministerin erklärte weiter, nach Schätzungen von Experten seien mindestens sechzig Prozent der Unfälle durch vorbeugende Maßnahmen vermeidbar. Schmidt forderte den Einsatz des Gemeinwesens. So liege beispielsweise die Verantwortung dafür, dass Schulen regelmäßigen Sportunterricht anbieten, in den Kultusministerien der Länder. Die Ministerin sprach auch die Ärzteschaft an, die einen wichtigen Beitrag dafür leisten könne, dass Bewegung und gesunde Ernährung „in den Alltag Einzug halten” können. Arztinnen und Ärzte hätten die Möglichkeit, im persönlichen Gespräch aufzuklären und zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren.
Schmidt begrüßte das Projekt „Rückenschule in der Schule”, das die Deutsche Gesellschaft der Orthopäden und orthopädischen Chirurgen entwickelt hat. Es ist zu hoffen, dass dieses Projekt auch in den Schulen ankommt.
Datenbasis ist vorhanden
Um eine vernünftige Prävention aufzubauen, ist die Sammlung von Daten über die Anzahl und die Ursachen von Unfällen notwendig. Hier hat bereits der Kinder- und Jugendsurvey (KIGGS), eine Studie des Robert-Koch-Instituts zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0-17 Jahren, erste Erkenntnisse geliefert. KIGGS erhebt umfassende Daten zur gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, wertet diese aus und stellt die Ergebnisse Politik, Fachwelt und allgemeiner Öffentlichkeit zur Verfügung. Die Ergebnisse sollen über den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in Deutschland aufklären und Problembereiche sowie Risikogruppen offen legen. Dadurch können Gesundheitsziele formuliert werden, um letztendlich Hilfs- und Vorbeugungsmaßnahmen zu entwickeln und einzuleiten. In diesem Zusammenhang will auch die Bundesregierung die Datenlage weiter verbessern: Beim künftigen Gesundheitsmonitoring des Robert-Koch-Instituts soll das Thema „Kinderunfälle” berücksichtigt werden.
Fachübergreifende Maßnahmen
Wie das Bundesministerium für Gesundheit weiterhin mitteilte, will es zusammen mit dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz den von der Bundesregierung beschlossenen Nationalen Aktionsplan „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung” mit den Akteuren vor Ort, also Kommunen, Sportvereinen und ähnlichen Organisationen, in naher Zukunft umsetzen.
Bei der Bundeszentrale Gesundheitliche Aufklärung ist ein Elternratgeber erhältlich, der Tipps gibt, wie Kinderunfällen vorgebeugt werden kann. Darüber hinaus können entsprechende Informationen der Online-Datenbank „Prävention von Kinderunfällen” entnommen werden. Unfallverhütung ist auch Teil der „Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit”. Diese soll die gesundheitliche Basis und die Chancengleichheit der Kinder und Jugendlichen verbessern. So können die Voraussetzungen für einen gesunden Lebensstil geschaffen werden, der zum selbstverständlichen Bestandteil des Kinderalltags wird. (kws)
