Nobelpreis für Harald zur Hausen
Der mit rund einer Million Euro dotierte Nobelpreis für Medizin soll in diesem Jahr dem Krebsforscher Harald zur Hausen verliehen werden. Er teilt sich den Preis mit den französischen Wissenschaftlern Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier, die im Jahr 1983 am Institut Pasteur in Paris das AIDS-Virus entdeckt hatten. Zur Hausen soll am 10. Dezember 2008 dafür ausgezeichnet werden, dass er die Humanen Papillomviren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können, gefunden hatte und so die Basis für die Entwicklung eines Impfstoffes gegen diese Infektion schuf. Gegen den Gebärmutterhalskrebs wird seit dem Jahr 2006 erfolgreich geimpft.
Zur Hausen hatte sich mit seiner Arbeit gegen die gängige Lehrmeinung gestellt, als er schon in den Siebziger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Meinung vertrat, Viren könnten Krebs auslösen. Damit manövrierte sich zur Hausen in eine Außenseiterposition, was ihn nicht daran hinderte, oft belächelt oder gar lächerlich gemacht, unbeirrt und beharrlich seine Forschungen weiter durchzuführen. Das Zervix-Karzinom, also der Gebärmutterhalskrebs, ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Zur Hausens Hartnäckigkeit machte die Entwicklung des Impfstoffes erst möglich.
Die humanen Papillomviren (HPV) sind sogenannte DNA-Viren und befallen die Epithelzellen der Haut – das sind solche ohne Blutgefäße -, wo sie zumeist gutartiges Tumor- oder Warzenwachstum auslösen. Es gibt jedoch die „Hochrisiko-Typen HPV16 und HPV18″ der Papillomviren, die insbesondere am Gebärmutterhals bösartige Veränderungen hervorrufen können. Wissenschaftler gehen davon aus, dass oft auch Krebserkrankungen des Penis, der Scheide oder des After dieselbe Ursache haben. Die Ansteckung mit HPV soll die häufigste durch Geschlechtsverkehr übertragene Infektionskrankheit sein und diejenige, die am wenigsten wahrgenommen wird.
Die Ständige Impfkommission der Bundesregierung (STIKO) empfahl bereits im März 2007, zwölf- bis siebzehnjährige Mädchen sollten sich gegen HPV impfen lassen. Die Impfstoffe wirken jedoch nur vorbeugend, das heißt, sie können Infektionen und deren Folgen nicht bekämpfen. Daher ist es wichtig, mit der Impfung so früh wie möglich zu beginnen. Da es sich bei der Ansteckung um eine Kontaktinfektion handelt, ist auch der geschützte Geschlechtsverkehr eine wirkungsvolle Vorbeugungsmaßnahme. (kws)
