Zwei Maß Bier sind kein Problem
„Es ist nicht das Problem, wenn einer eine Maß trinkt, oder, wenn er ein paar Stunden da ist, auch zwei!” Das verkündete der bayrische Ministerpräsident Günther Beckstein anlässlich eines Wahlkampfauftritts in einem Bierzelt in Erding und sorgte für viel Wirbel. In einem Interview bei Bayern 3 darauf angesprochen verfeinerte der Ministerpräsident seine Meinung: Wenn man die Maß in sechs, sieben Stunden auf dem Oktoberfest trinke, sei es noch möglich. Das gelte natürlich nicht, wenn man die Maß innerhalb von zwei Stunden trinke.
Beckstein reagierte mit dieser Aussage auf Gedankenspiele der Bundesregierung, die Promille-Grenze für Autofahrer abzusenken. Bereits im Jahr 1997 war Beckstein, noch als bayrischer Innenminister, mit seinem Widerstand gegen die Absenkung der Promille-Grenze von 0,8 auf 0,5 Promille aufgefallen und gescheitert. Beckstein versucht offenbar, mit seiner jüngsten Meinungsäußerung drei Fliegen auf einen Streich zu erlegen. Zum einen sichert er sich die weitere Zuneigung der Allianz aller an Alkohol-Produktion, Alkohol-Vertrieb und Alkohol-Kommunikation beteiligten Menschen und Organisationen, zweitens spiegelt er, dem Klischee des bayrischen Selbstbilds entsprechend, das trinkfeste, mithin echte Mannsbild und glaubt, auf diese Weise die einschlägigen Konsumenten als Wähler gewinnen oder behalten zu können, drittens sediert er mit dem anschließenden halbherzigen Zurückrudern die möglicherweise nicht so begeisterten potenziellen Wählerinnen und Anhänger sowie Anhängerinnen seiner Partei.
Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, sagte dazu, zwei Liter Bier überschreiten die Trinkmengenempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um das Dreifache. Zudem habe Beckstein wiederholt falsche Aussagen über das Nationale Aktionsprogramm zur Alkoholprävention von sich gegeben. So sei beispielsweise keine Anhebung der Altersgrenze von 16 auf 18 Jahren für Bier und Wein geplant. Auch werde es auf Behältern alkoholischer Getränke keine Warnhinweise wie beim Tabak geben. Stattdessen seien Piktogramme für die Zielgruppe der schwangeren Frauen geplant. Solche Piktogramme haben Frankreich, Belgien und ein Teil der Alkoholindustrie in Deutschland bereits freiwillig eingeführt. Bätzing wies darauf hin, dass Beckstein am 7. Dezember 2007 als bayrischer Innenminister einem Beschluss mit ähnlich restriktiven Maßnahmen zur Alkoholprävention zugestimmt hatte. Dabei war es um die Eindämmung des Alkoholmissbrauchs zur Gewaltprävention und konsequente Durchsetzung des Jugendschutz- und Gaststättengesetzes gegangen. Im Wahlkampf wolle Beckstein offenbar davon nichts mehr wissen.
Bätzing betonte, dass es ihr nicht um den maßvollen Genuss von Alkohol gehe. Es bestehe jedoch Einigkeit darüber, dass in bestimmten Situationen auf Alkohol verzichtet werden müsse. Dazu gehören Schwangerschaft und Straßenverkehr. (kws)

Beckstein hat sich beim Heucheln vergalopiert
Er wollte wohl dem vor ihm in Bierlaune sitzenden Publikum den “gutmütigen Volks-Opa” vorheucheln, um sich wegen der nahenden Landtagswahl ein paar Wählerstimmen zum Erhalt seines erputschten Pöstchens zu ertäuschen. Dabei hat Becksteins Heuchelei klar über seinen Verstand gesiegt. Für das Ganze muss er nun nach der geringstmöglich blamablen Ausrede suchen.
Zur Verteidigung Becksteins muss allerdings gesagt werden, dass er durch das CSU-Grundsatzprogramm “Heuchelei und Intrigen um Posten” vorgeschädigt ist und deshalb keine Hemmschwelle mehr beim Heucheln hat – beim Intrigieren natürlich auch nicht, wie man beim Kreuther Hinterzimmer-Putsch gesehen hat.
Gaby Pauli hat gezeigt, wie man “kleinen Würstchen”, die sich im Schutz der Macht immer weiter aufgeblasen haben, mit der Kraft der Wahrheit innerhalb von Sekunden die Luft wieder ablässt.
http://www.youtube.com/watch?v=iCQtWMCyJUY
Sprachlos, handlungsunfähig und sich nach Tauchstation sehnend, kniff Beckstein vor einer Erklärung, die “versuchter Rufmord” hätte lauten müssen.