logo

Fatale Folgen – Alkohol in der Schwangerschaft

Eine Studie der Charité in Berlin enthüllt, dass 58 Prozent aller schwangeren Frauen in Deutschland Alkohol trinken. Von knapp 700.000 Kindern (Stand 2007), die jährlich in Deutschland geboren werden, sind 10.000 bereits bei der Geburt alkoholgeschädigt. Von diesen wiederum weisen rund 4.000 das Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms (FASD = Fetal Alcohol Spectrum Disorders) auf. FASD stellt damit die häufigste Behinderung von Neugeborenen dar und kommt doppelt so oft vor, wie das Down-Syndrom. Dabei ist FASD zu hundert Prozent vermeidbar.

FASD ist eine schwere körperliche und geistige Behinderung. Nicht nur ständiger Alkoholmissbrauch der Mutter in der Schwangerschaft führt zu Schädigungen des Gehirns und zu Missbildungen beim ungeborenen Kind, auch das gelegentliche, das sogenannte soziale Trinken, kann dem Ungeborenen gefährlich werden. Dennoch verzichten nur rund zwanzig Prozent aller schwangeren Frauen völlig auf Alkohol. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, stellte anlässlich des „Tages des alkoholgeschädigten Kindes” am 9. September 2008 fest: „Es gibt keinen sicheren Grenzwert für den ungefährlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft.” Bätzing erklärte weiter, das Kind habe weitaus mehr unter dem Alkoholkonsum zu leiden, als die Mutter, weil der Fötus Alkohol erst mit einer Leistung von vier Prozent im Vergleich zur Mutter abbaue. Das heißt, während die Mutter den gesamten Alkohol bereits abgebaut hat, hat der Fötus erst vier Prozent davon geschafft. Ein vollständiger Alkoholverzicht in der Schwangerschaft sei somit unabdingbar.

Weil FASD nicht heilbar ist, müssen die betroffenen Kinder ihr ganzes Leben lang unter den Folgen von Unwissenheit oder Verantwortungslosigkeit ihrer Mütter leiden. Nur etwa zwanzig Prozent der FASD-diagnostizierten Kinder sind als Erwachsene in der Lage, ein eigenständiges Leben zu führen. Die übrigen müssen ein ganzes Leben lang betreut werden. Dennoch wird FASD kaum angesprochen. „Die Gefahren des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft werden häufig verharmlost oder gar nicht wahrgenommen. Viele Schwangere erliegen dem Vorurteil, ein Gläschen in Ehren könne dem Fötus nicht schaden. Diesem Irrtum unterliegen Frauen aus der gesellschaftlichen Mitte besonders häufig”, so Bätzing. Die Drogenbeauftragte zieht den Schluss, dass Aufklärung, Beratung und Prävention in der Schwangerschaftsvorsorge optimiert werden müssen. Es reiche nicht, eine lediglich rhetorische Frage zum Thema Alkohol zu stellen, die automatisch das Nein mit einschließe. Die Bundeszentrale Gesundheitliche Aufklärung (BzGA) bietet allen Interessenten die folgenden Materialien zu diesem Thema: „Alkoholfrei durch die Schwangerschaft” und „Auf Dein Wohl, mein Kind”. (kws)




8. September 2008 | Kategorie: In Kürze

Ein Kommentar »

  1. Die Dunkelziffer der alkoholgeschädigten Kinder und auch Erwachsenen ist sicher noch viel höher als hier angegeben.
    Leider ist die Alkohollobby hier viel zu stark, ebenso die Raucherindustrie, dem Staat gingen sehr viele Steuereinnahmen verloren, also wird das Ganze immer wieder kleingeredet. Ein richtig großes Problem wird ignoriert und man kann nichts dagegen machen.

Kommentar schreiben