AIDS schon vor Ort bekämpfen
Mit dem Modellprojekt „Gesundheitsförderung und HIV- und AIDS-Prävention für Menschen aus Osteuropa in Baden-Württemberg – GEMO” kümmert sich die Bundesregierung erstmals um Betroffene aus sogenannten Hochprävalenzländern, also Ländern mit einer außergewöhnlich hohen AIDS-Rate. Auf diese Weise sollen zum ersten Mal neue Möglichkeiten der AIDS-Prävention für Menschen mit osteuropäischem Migrationshintergrund vor Ort erprobt und wissenschaftlich ausgewertet werden.
Mit der EU-Erweiterung nach Osten ist die EU-Ostgrenze an Hochprävalenzländer gestoßen, an die Ukraine und Russland. Die ebenfalls betroffenen baltischen Staaten sind darüber hinaus EU-Mitglieder. Rund zwei Drittel aller in Europa mit dem HIV infizierter Menschen leben in diesen Staaten. Wie in den meisten Hochprävalenzländern ist AIDS auch dort Tabuthema, das möglichst ignoriert wird.
In Deutschland leben etwa 1,5 Millionen Menschen aus Zentral- und Osteuropa – Aussiedler nicht eingerechnet. Baden-Württemberg ist bei den Zuwanderern besonders beliebt. Viele Zuwanderer haben sich schon in ihren Heimatländern angesteckt und bringen das HIV mit. Wegen der zunehmenden Mobilität der Menschen in Europa steigt das Infektions- und Verbreitungsrisiko immer weiter an. Es ist daher leicht einsehbar, dass ohne effektive Gegenmaßnahmen die HIV-Epidemie zu einer ernsthaften Bedrohung auch in Deutschland wird. So hat sich die Regierung parallel zur Förderung des Modellprojektes „GEMO” entschlossen, mit einer Million Euro jährlich die deutsch-ukrainische Partnerschaftsinitiative zur Bekämpfung von HIV/AIDS zu unterstützen. Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, Marion Caspers-Merk, erklärte dazu, trotz der langjährigen und vielseitigen HIV-Prävention in Deutschland hätten die Maßnahmen die Menschen mit Migrationshintergrund nicht erreicht. Die Lebenssituation von Migranten schaffe oftmals Risikofaktoren für eine HIV-Infektion. Die Sensibilisierung für das Thema AIDS gelinge besser, wenn es in eine übergreifende Gesundheitsförderung eingebettet werde. Dabei müsse der kulturelle Hintergrund der Gruppen berücksichtigt werden.
Beteiligt an dem Modellprojekt ist der Landesverband Badisches Rotes Kreuz zusammen mit der AIDS-Hilfe Freiburg. Die Katholische Fachhochschule wird das Projekt wissenschaftlich begleiten. (kws)
