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Krank-Sein mit Gewinn

Durch den neuen Gesundheitsfonds erhalten die Kassen mehr Geld, wenn die Behandlungskosten hoch sind. Mittlerweile prüfen die Krankenkassen alle ihre Daten, um Versicherte aufzuspüren, die möglichst viele Krankheitsanzeigen haben. Denn nach Einführung des Gesundheitsfonds bekommen sie mehr Geld als Pauschalen für schwere Krankheiten, weil ihre Behandlung teuer ist.

Hintergrund ist der sogenannte morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Laut Uwe Seybold von der Audi Betriebskrankenkasse sei das System pervers, wie er sich im ARD-Fernsehmagazin „Panorama” ausdrückte. Die Anreize seien völlig falsch gesetzt. Es werde zum wirtschaftlichen Ziel, den Kunden krank zu halten.

Zudem hat diese Haltung Auswirkungen auf Gesundheits- und Vorsorgeprogramme. Betriebswirtschaftlich betrachtet sei es nicht förderlich, diese so wie bisher weiter zu betreiben. Somit werden Bluthochdruck oder Diabetes beispielsweise nicht mehr durch präventive Maßnahmen kuriert oder verhindert, sondern mit Maßnahmen behandelt, die Geld aus dem Gesundheitsfonds bringen. Ärzte werden dazu genötigt werden, Checklisten an Diagnosen aufzubauen, die Geld aus dem Gesundheitsfonds generieren.

Das Bonner Bundesversicherungsamt, das das zugrunde liegende „Versichertenklassifikationsmodell” ausgearbeitet hat, hält die von vielen Fachleuten geäußerten Bedenken für übertrieben. Der Chef des Bundesversicherungsamtes, Josef Hecken, meinte, er gehe nicht davon aus, „dass das, was theoretisch an der einen oder anderen Stelle für den einen oder anderen im Einzelfall reizvoll erscheinen würde, zu einem Massenphänomen wird”. (fma)




8. August 2008 | Kategorie: In Kürze

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