Perkutaner Herzklappenersatz für 90-Jährige
Alte Menschen erfolgreich am Herzen behandelt
Der perkutane Herzklappenersatz wird in Kliniken bundesweit noch relativ selten angeboten. Dabei wird eine Herzklappe, die aus dem Herzbeutel des Schweins (Schweineperikard) gefertigt ist und die in einem Drahtgeflecht steckt, durch die Leisten-, Bauch- und Hauptschlagader zum Herzen geführt. Das Verfahren sei schonend und biete sich für ältere Menschen an. Einer der Pioniere dieses Verfahrens ist der Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie im Herzzentrum Bremen am Klinikum Links der Weser, Prof. Dr. Rainer Hambrecht.

Alma Heitmann mit Prof. Dr. Rainer Hambrecht
Hambrecht befasst sich mit dem perkutanen Herzklappenersatz seit vielen Jahren. So hat er diese Art der Herzklappenimplantation bereits seit Anfang 2000 in Tierversuchen am Herzzentrum Leipzig erprobt und 2006 in Bremen eingeführt. Im Februar 2008 wurde Alma Heitmann als erster Patientin ein solcher Aortenklappenersatz eingesetzt. Die mittlerweile 91-jährige Dame litt an akuter Atemnot, das Sauerstoffgerät war ihr ständiger Begleiter. Bereits wenige Tage nach dem Eingriff fühlte sie sich erheblich besser. Jetzt, mehr als ein Jahr und einige Untersuchungen später ist sie gemessen an ihrem Alter wieder fit: „Ich mache meinen Haushalt selbst, kann kleine Wege gehen und manchmal koche ich auch noch”, erklärte sie nach einer Routineuntersuchung.
Seit ihrer Entlassung vor einem Jahr wurden in Bremen über 20 weitere ältere Menschen behandelt, die an stark verminderter Leistungsfähigkeit, Ödemen und kurzen Bewusstlosigkeiten litten, allesamt Begleiterscheinungen krankhaft verengter Aortenklappen zwischen linker Herzkammer und Aorta. Hambrecht erläuterte: „Patienten über 80, die außerdem Schwierigkeiten mit den Nieren haben oder an chronischen Erkrankungen leiden, eignen sich nicht immer für eine klassische Aortenklappenersatz-Operation.” Weil dabei der Brustkorb geöffnet, das Herz stillgelegt und die Herz-Lungen-Maschine eingesetzt werde, sei der Körper großen Belastungen ausgesetzt, erklärte der Chirurg weiter. Der perkutane Aortenklappenersatz sei schonend. Über einen Herzkatheter wird die Klappe, in einem Drahtgeflecht zusammengepresst, durch die Leisten-, Bauch- und Hauptschlagader bis zum Herzen in die Aortenklappe geführt. Von dort wird der Katheter zurückgezogen, das Drahtgeflecht entfaltet sich und die neue Klappe übernimmt die Aufgabe der alten. Ein kleiner Schnitt an der Leiste sei das einzige äußerliche Zeichen für den Eingriff.
Kein kleiner Eingriff
Die Implantation dauere nur rund eine Stunde, der Patient könne in aller Regel nach wenigen Tagen entlassen werden. Allerdings müssen die Patienten vor dem perkutanen Eingriff mehrere Untersuchungen durchstehen. Oberarzt Dr. Eduard Fiehn erläuterte: „Die Gefäße, durch die der Katheder geführt wird, müssen frei sein.” Fiehn wies darauf hin, dass es sich nicht um einen kleinen Eingriff handele, daher sei auch ein grundsätzlich stabiler Körper Voraussetzung. Jeder zweite Patient werde abgelehnt. Jüngeren und ansonsten fitten Patienten werde weiterhin die große Operation empfohlen. Hambrecht begründete das damit, dass in Handarbeit angenähte Herzklappen in jedem Falle halten werden und dass über die Dauer der Haltbarkeit der neuen Herzklappen noch wenig bekannt sei. Zwar flössen alle Ergebnisse in ein Register, die ersten Eingriffe jedoch seien zu jung, so dass noch keine verlässlichen Langzeitergebnisse vorliegen. (kws)
