Mehr als ein kosmetisches Problem
Krampfadern können zum Gesundheitsrisiko werden
Krampfadern (Varizen) sehen nicht nur ausgesprochen ungesund aus, sie können auch gefährlich werden. Sie beeinträchtigen das Selbstbewusstsein, sie können ausgesprochen schmerzhaft sein, im fortgeschrittenen Stadium führen sie zu Thrombosen, Venenentzündungen oder Ödemen. Von Krampfadern wird gesprochen, wenn sich Venen ausdehnen und sich knotig unter der Haut entlang winden. Grundsätzlich sind drei Faktoren für das Entstehen von Krampfadern verantwortlich. Zum einen können sie auf dem Weg der erhöhten Veranlagung zur Bindegewebsschwäche vererbt werden, zum zweiten schafft Bewegungsmangel insbesondere im Zusammenspiel mit nur sitzender oder nur stehender Tätigkeit blendende Bedingungen für die Entstehung von Krampfadern, und als dritter Faktor lassen weibliche Geschlechtshormone das Bindegewebe frühzeitig ermüden. Daher sind von Krampfadern häufiger Frauen als Männer betroffen.
Es gibt drei Arten von Blutgefäßen: Arterien, Venen und Kapillaren. Das Herz pumpt im Ruhezustand durch die Arterien rund fünf Liter sauerstoffreiches Blut pro Minute zu den Organen, um diese mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Durch die Kapillaren erfolgt die Versorgung des Gewebes und durch die Venen wird das verbrauchte, sauerstoffarme Blut zur „Wiederaufbereitung” zum Herzen zurückgepumpt. Weil das sauerstoffreiche Blut vom Herz mit hohem Druck in die Arterien gepumpt wird, müssen die Arterienwände sehr kräftig ausgelegt sein. Ganz anders die Venen. Durch diese fließt das Blut mit niedrigem Druck zum Herzen zurück. Daher sind die Venenwände dünner gebaut. Weil zudem der Bluttransport von den Füßen her gegen die Schwerkraft erfolgen muss, sind in den Venen in kurzen Abständen Ventile einbaut, die ein Zurückfließen des Blutes verhindern. Diese sogenannten Venenklappen lassen das Blut in Richtung des Herzens passieren, verschließen sich in umgekehrter Richtung jedoch sofort. Funktionieren die Venenklappen nicht mehr, kommt es zu einem Rückstau des Blutes mit allen seinen Auswirkungen.
Varikosen haben viele Ausprägungen
Der menschliche Körper verfügt über oberflächliche Venen, die direkt unter der Haut liegen, tiefliegende Venen, die sich in der Muskulatur befinden und über Verbindungsvenen, sozusagen verbindende Einbahnstraßen von den oberflächlichen zu den tiefliegenden Venen. Das weitaus meiste Blut wird über die tiefen Venen zum Herzen transportiert. Die oberflächlichen Venen haben die Aufgabe, das Blut, das sich in den Venengeflechten der Haut befindet, durch die Verbindungsvenen in die tiefen Venen zu transportieren. Krampfadern treten meist bei den oberflächlichen Venen auf. Weil diese beim Bluttransport eine nicht so wichtige Rolle spielen, können sie und die entstandenen Krampfadern relativ problemlos entfernt werden.
Je nachdem, welche Vene betroffen ist, unterscheidet man die folgenden Varikosen (von lateinisch „Varix” = Krampfader): Die Stammvarikose betrifft die kleine und die große oberflächliche Stammvene. Dabei können auch beide Venen betroffen sein. Stammvarikosen sind die bei weitem häufigste Form der Krampfadern. Die Seitenastvarikose beschreibt eine krankhafte Erweiterung von Seitenästen der oberflächlichen Stammvenen. Die Seitenastvarikose geht oft mit einer Stammvarikose einher. Die Perforansvarikose betrifft die Verbindungsvenen zwischen oberflächlichen Stammvenen und tiefliegenden Venen. Die Besenreiser- und retikulären Varikosen machen sich als birkenreisförmige (Besenreiser) und netzförmige (lateinisch reticulum = Netz) Krampfäderchen bemerkbar. Diese sind bevorzugt an den Außenseiten der Ober- und Unterschenkel und an den Innenseiten der Knie zu beobachten.
Man kann vorbeugend etwas tun
Tatsächlich gehören Krampfadern in ihren verschiedenen Ausprägungen zu den häufigsten Symptomenkomplexen. So soll laut Statistik jeder zweite bis dritte Europäer im Alter von 25 bis 75 Jahren von Krampfadern betroffen sein. Dabei erkranken Frauen rund doppelt so häufig wie Männer. In den meisten Fällen nehmen sich die Veränderungen relativ harmlos aus. 15 Prozent der Betroffenen jedoch – das sind dann doch Frauen wie Männer gleichermaßen – leiden unter starker Krampfaderbildung, die immer medizinisch behandelt werden muss.
Es gibt durchaus verschiedene Möglichkeiten, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, beziehungsweise bei einer erblichen Disposition die Symptome so gering wie möglich zu halten. An erster Stelle stehen hierbei viel Bewegung und vernünftige Nahrung. Wer berufsbedingt viel stehen oder sitzen muss, sollte mehrmals am Tag bewusst mit seinen Waden „pumpen”. Dafür genügt, mehrfach von den Zehenspitzen auf die Ferse zu wippen und zurück. Dadurch wird Blut mit Hilfe der Wadenmuskulatur in Richtung Herz gepumpt. „Vielsteherinnen” sollten hohe Absätze vermeiden. Entlastung bringt auch, sich mehrmals täglich mit den Händen druckvoll über die Beine in Richtung Herz zu streichen. Außerhalb des Büros haben sich Radfahren, Schwimmen und Joggen als besonders wirkungsvoll gezeigt. Zudem können die Blutgefäße täglich unter der Dusche durch kalte und warme Güsse gestärkt werden, wobei gleichzeitig die Durchblutung gefördert wird. Eine ausgewogene Ernährung vermeidet Übergewicht. Wer bereits unter Krampfadern leidet sollte darüber hinaus die Beine öfters hochlegen. Beschwerden können durch Stützstrümpfe gelindert werden. (kws)
