Tetanus – eine bösartige Krankheit
Die Impfung ist auch in Mitteleuropa sinnvoll
Es beginnt ganz harmlos. Sie fühlen sich matt. Sie haben Kopfschmerzen. Sie schwitzen. Dann gesellen sich Muskelschmerzen hinzu. Bis zu diesem Moment denken Sie noch an einen grippalen Infekt. Doch plötzlich sehen Sie das ganz anders. Gepaart mit einer Kieferklemme setzen heftige Krämpfe in der Gesichtsmuskulatur ein, was Ihnen einen grinsenden Gesichtsausdruck (medizinisch Risus Sardonicus, übersetzt ein grimmig spöttisches Lächeln) verleiht.
Die Krämpfe erreichen jetzt den Nacken, den Rücken und den Bauch. Dann kommen Ihre Arm- und Beinmuskulatur dran, oft auch der Kehlkopf, die Rippen und das Zwerchfell. Kleinste akustische, optische oder mechanische Reize reichen aus, um die Krämpfe auszulösen. Kommt es zur Lähmung des Zwerchfells, ersticken Sie.
Die Krämpfe dauern nur ein bis zwei Minuten, sie können aber kurz hintereinander auftreten. Das Fieber steigt auf vierzig Grad Celsius. Die Krämpfe können so stark sein, dass Wirbel brechen. Das ganze dauert bis zu fünf Tage lang. Danach geht es jedoch weiter. Sie haben drei bis vier Wochen lang im ganzen Körper Muskelkrämpfe. Ihr Herz rast. Und das alles bekommen Sie in allen Einzelheiten mit, ohne etwas dagegen tun zu können. Unbehandelt stirbt der Patient.
Das Bakterium ist überall
Grundsätzlich kann sich jeder Mensch bei allen möglichen Gelegenheiten infizieren. Selbst kleinste Verletzungen bei der Gartenarbeit reichen aus. Dabei kann die Wunde bereits verheilt sein, wenn sich die ersten Tetanussymptome zeigen. Da die Tetanusbakterien sogenannte anaerobe Bakterien sind, also solche, die unter Sauerstoffmangel leben und gedeihen, fühlen sie sich da, wo wenig Sauerstoff hinkommt, am besten aufgehoben. Das kann direkt unter der Haut sein oder auch in einer tiefen Wunde. Eine blutende Wunde ist in aller Regel weniger gefährlich, als beispielsweise eine Schürfwunde, die wenig blutet und normalerweise verschmutzt ist.
Die Sporen des Bakteriums kommen so gut wie überall vor – auch in Gartenerde. Dringen sie durch Wunden in die Haut ein und finden sie ein sauerstoffarmes Milieu vor, so vermehren sich die Bakterien. Dabei sondern sie zwei Gifte (Toxine) ab. Für die oben genannten Symptome ist das Toxin Tetanospasmin verantwortlich. Es schädigt diejenigen Nervenzellen, die für die Steuerung der Muskeln verantwortlich sind. Das ebenfalls abgesonderte Toxin Tetanolysin kann „lediglich” Blut und Herz schädigen, ist jedoch für den Wundstarrkrampf selbst nicht verantwortlich.
Die Impfung ist gut verträglich
Bei der Impfung muss zwischen zwei Impfarten unterschieden werden, der aktiven und der passiven Impfung. Bei der aktiven Impfung wird ein durch Formol abgeschwächtes und verändertes, aber immunogenes Tetanus-Toxoid in die Gesäß- oder Oberarm-Muskulatur gespritzt. Immunogen heißt, dass eine Immunisierung ausgelöst wird. Die entstandenen Antikörper schlagen dann sofort zu, wenn eine Infektion droht und töten die Erreger ab. Bei der passiven Impfung wird dem Körper ein Serum mit bereits gebildeten menschlichen Antikörpern gespritzt. Die passive Impfung ist dann wichtig, wenn die Zeit zur Bildung eigener Antikörper zu kurz ist, beispielsweise im Falle einer Verletzung bei einem nicht geimpften Menschen. Grundsätzlich empfiehlt sich bei einem nicht geimpften Menschen oder bei unzureichendem Impfschutz die Kombination aus beiden Impfarten, die sogenannte Simultanimpfung.
Im Allgemeinen ist die Tetanusimpfung sehr gut verträglich. Es sollte lediglich darauf geachtet werden, dass man zum Zeitpunkt der Impfung nicht unter anderen Infektionen wie Erkältungskrankheiten leidet, weil dann das Immunsystem mit deren Bekämpfung beschäftigt ist und damit unter Umständen keine Immunisierung gegen Tetanus zustande kommt. In der Regel hat die Tetanusimpfung nur leichte Nebenreaktionen zur Folge wie beispielsweise Rötungen an der Injektionsstelle, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, leichtes Fieber oder auch Magen-Darm-Beschwerden. Normalerweise verschwinden diese Reaktionen jedoch nach kurzer Zeit wieder.
Die Sinnhaftigkeit dieser Impfung ist grundsätzlich nicht umstritten. Auch die Experten der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut raten zu der Impfung. Dennoch gibt es Ärzte, die sich vehement gegen diese Impfung aussprechen.
Viele offene Fragen
Die Bedenken gegen das Verfahren der Impfung gegen Krankheiten sind so alt, wie das Verfahren selbst. Erstaunlicherweise wurden in vielen Fällen Impfungen nicht von Ärzten erfunden und erforscht. Oft waren es Vertreter anderer wissenschaftlicher Disziplinen. Genauso oft wurden erst später Ärzte von staatlicher Seite verpflichtet, diese Impfungen durchzuführen. Viele derjenigen Ärzte, die sich gegen Impfungen aussprechen, folgern daraus, dass Krankheiten hinsichtlich der Impfungen nicht genügend erforscht seien.
Im Fall von Tetanus spalten sich sogar die allgemeinen Impfgegner in zwei Lager, was heißt, dass die Unsicherheit hier besonders groß ist. Tatsächlich sprechen einige Faktoren eine klare Sprache. So treten beispielsweise Tetanusbakterien auch bei Quetschungen auf. Wenn Tetanusbakterien nach gängiger Meinung von außen in die Wunde eindringen, wo kommen sie dann bei geschlossenen Wunden wie einem Bluterguss her? Und so gibt es noch viele weitere unbeantwortete Fragen. Eines weiß man heute: Der Tetanus-Erreger wird erst dann virulent, wenn das Gewebe, in dem er sich befindet, nekrotisch, also abgestorben ist. Im gesunden Gewebe passiert nichts, weswegen es so wichtig ist, bei einer Verletzung nicht nur den Schmutz, sondern vor allem das abgestorbene Gewebe zu entfernen.
Den Argumenten der Tetanus-Impfgegner jedoch ist bei all ihrer Stichhaltigkeit eines nicht zu entnehmen, dass nämlich die Impfung grundsätzlich gefährlich wäre. Solange also die offenen Fragen nicht beantwortet sind, sollte einer Impfung schon vorsichtshalber nichts im Wege stehen. Da dennoch eine Impfung niemals völlig ohne Risiko ist, wäre es wünschenswert, wenn die Forschung größere Anstrengungen unternähme, die (bekannten) offenen Fragen zu klären – auch wenn das manchen Herstellern der Impfstoffe möglicherweise nicht passen wird. (kws)
