Traditionelle Chinesische Medizin
Zusammenarbeit mit Schulmedizin ist eine erfolgreiche Option
Claus-Peter Müller
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) beruht hauptsächlich auf Erfahrungswerten, deren Wirksamkeit sich meist nicht naturwissenschaftlich begründen lässt. Im Gegensatz zur westlichen Schulmedizin, die in der Regel die messbaren Abweichungen von der Norm als einzelne Symptome erkennt und behandelt, betrachtet die Traditionelle Chinesische Medizin den Menschen zusätzlich in seinem psychosozialen Kontext.
Daher spielt das Gespräch mit dem Menschen, der ärztlicher Hilfe bedarf, eine große Rolle. Selbstverständlich sollte die Traditionelle Chinesische Medizin nicht im Konkurrenzverhältnis zur Schulmedizin stehen. Ganz im Gegenteil ist sie eine hervorragende Ergänzung, weil sie sich insbesondere auf psychosomatische Faktoren konzentriert und damit die klassische Medizin unterstützt.
TCM ist eine aufwändige Arbeit
Ärzte, Heilpraktiker und Apotheker, die sich mit der Traditionellen Chinesischen Medizin befassen, haben sich anders, als der „Kleine Chinesische Arzt”, welcher sich lediglich um Akupunktur kümmert, der wesentlich umfassenderen Ausbildung zum Therapeuten unterzogen. Sie haben gelernt, mit den Inhalts- beziehungsweise Wirkstoffen von Kräutern, Tieren (Regenwürmern, Zikaden etc.), Tierprodukten wie beispielsweise den Exkrementen von Fledermäusen und mineralischen Stoffen zu arbeiten.
Die Arbeit in der Apotheke besteht darin, die aufgrund der übermittelten Rezepte angeforderten Arzneien für die Patienten zuzubereiten. Eine Apotheke wie die meine hält dafür ständig über 250 verschiedene Zutaten vorrätig, so dass nahezu jede Arznei umgehend fertiggestellt werden kann. Und das ist eine aufwändige Angelegenheit. Man muss sich vor Augen halten, dass eine Rezeptur im Durchschnitt sechs bis zehn verschiedene Inhaltsstoffe erfordert. Davon erhält der Kunde zwischen zwei und zehn Portionen gemischt. Das bedeutet je Rezeptur bis zu einhundert Wiegevorgänge.
Die normalen Kräutermischungen, die sogenannten Dekokten, werden in der Apotheke zubereitet und anschließend vom Patienten etwa eine Stunde lang gekocht, um dann über mehrere Tage warm getrunken zu werden. Daneben werden Rezepturen auch als Granulate fertig gemacht. Hierbei muss der Kunde seine Portion lediglich in warmem Wasser auflösen und trinken. Ursprünglicher und authentischer jedoch ist Dekokten-Variante.
TCM-Kräuter sind eine sensible Angelegenheit
Die Mitarbeiter meiner Apotheke befassen sich seit nahezu zehn Jahren mit Traditioneller Chinesischer Medizin, und die lange Erfahrung im Umgang mit den Kräutern hat vorsichtig gemacht. Leider wird das Gros der Rezepte nicht in Apotheken zubereitet. So lassen diejenigen, die die Rezepte ihrer Patienten ausstellen, die Mischungen häufig in den Benelux-Staaten herstellen, wo die einzelnen Kräuter billiger sind, hinsichtlich der Qualität und Reinheit jedoch meist nicht dem deutschen Apothekenstandard entsprechen. Daher bin ich persönlich der Meinung, dass der Gesetzgeber die Kräuter der Traditionellen Chinesischen Medizin apothekenpflichtig machen sollte.
Alle Kräuter, die in deutschen Apotheken Eingang finden, sind geprüft auf die Belastungen mit Schwermetallen wie Arsen, Blei oder Quecksilber, mit Insektiziden und Herbiziden, und, was bei Früchten von Bedeutung ist, mit Aflatoxinen, das sind Schimmelpilzgifte. Und das gilt ausnahmslos. In der Praxis funktioniert das so, dass die Importeure der Kräuter diese vor der Weitergabe an die Apotheken in einem deutschen Labor untersuchen lassen müssen. Jede Lieferung ist mit einem Analyse-Zertifikat verbunden. Im Übrigen ist dieses Prozedere deutschen Apothekern vorgeschrieben. Allerdings hindert uns das nicht daran, zusätzlich die Qualität der Kräuter und deren Identität zu überprüfen. Auf der unten genannten Webseite ist ein Prüfprotokoll zu finden.
Claus-Peter Müller
ist Apotheker in Bonn und Inhaber der Kaiser-Apotheke.
Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit TCM
www.kaiser-apotheke.de
