Brände in radioaktiv verseuchten Gebieten in Russland
Derzeit keine Gefahr für Deutschland
Fast genau vierzehn Jahre ist es her, dass der Reaktorunfall in Tschernobyl Teile der Ukraine, Weißrusslands und Russlands schwer verseuchte. Von wechselnden Winden wurden in der Folge drei große, radioaktiv kontaminierte Wolken west- beziehungsweise südwestwärts getrieben. Große Teile Europas von Skandinavien bis nach Griechenland waren ebenso betroffen, wie die Türkei. Die seit Wochen wütenden verheerenden Waldbrände in Russland haben Tschernobyl wieder zum Leben erweckt.
Nach Dementis wurde von russischen Behörden jetzt erstmals bestätigt, dass die Brände Gebiete erreicht haben, die erheblich kontaminiert sind. Die Nationale Russische Waldschutzbehörde hat eingeräumt, dass auch das westrussische Grenzgebiet um den Ort Brjansk betroffen sei, welches als schwer mit Cäsium 137 und Strontium 90 verseucht gilt. Man habe in dieser Region auf 269 Hektar 28 Brände entdeckt. Die Behörde wies zudem auf Brände im Ural um Tscheljabinsk hin, die bereits gelöscht worden sein sollen. Dort waren zwischen 1948 und 1987 insgesamt zehn Kernreaktoren in Betrieb genommen worden. Viele Unfälle haben in diesem Gebiet große Mengen an Radioaktivität freigesetzt. Die folgenschwerste Katastrophe ereignete sich im Jahr 1957, der sogenannte Kyschtym-Unfall, benannt nach der Stadt Kyschtym, etwa 30 Kilometer von dem Unglücksreaktor entfernt. Das Gebiet dort gilt seither als extrem kontaminiert.
Mangelhafte Information
Mit dem Rauch breiten sich auch die radioaktiven Partikel aus, wobei das Ausmaß von der Stärke des Windes abhängig sei, so der Leiter des Referates für Atomfragen des Greenpeace-Büros in Moskau, Wladimir Chuprov. Er warf den staatlichen Behörden vor, die Bevölkerung nicht ausreichend zu informieren. Der stellvertretende Chef der Nationalen Russischen Waldschutzbehörde, Alexej Bobrinski, sieht keinen Grund zur Panik. Dass mit dem Rauch verseuchte Partikel durch die Luft transportiert werden, sei keine Katastrophe. Zugleich wurden staatliche Stellen in den verseuchten Gebieten angewiesen, Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung zu ergreifen.
Wetterdienst sieht radioaktive Partikel
Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) äußerten sich vorsichtig. Wetterprognosen könnten nicht über einen längeren Zeitraum als vier Tage getroffen werden. Allerdings bestehe die Möglichkeit, dass radioaktive Partikel in den kommenden Tagen in Richtung Osteuropa, Baltikum und Südschweden getrieben werden. Aktuell zögen die Wolken in Richtung Sibirien. Nach neuen Berechnungen könnte mit nordwestlichen Strömungen in den kommenden Tagen ein Teil des Rauches dennoch nach Osteuropa und in den Ostseeraum gelangen (kws)
