logo

Dem Prostatakrebs auf der Spur

Virus soll mitverantwortlich sein

„Wir haben im Moment jede Menge Fragen und sie sind es wert, beantwortet zu werden“, sagte Dr. Ila Singh von der Universität in Salt Lake City, Utah. Die Wissenschaftlerin ist Leiterin einer Studie, die am 8. September 2009 (online einen Tag früher) im US-amerikanischen Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht wurde. Die Forscher entdeckten Hinweise darauf, dass ein Zusammenhang zwischen einem Virus namens XMR und Prostatakrebs bestehen könnte. Singh: „Wir haben XMR-Viren in 27 Prozent der Prostata-Tumore gefunden, die wir untersucht haben, vor allem in den aggressiveren Tumoren.“

Anatomie des Mannes

Anatomie des Mannes

In Deutschland ist das Prostata-Karzinom die häufigste bei Männern diagnostizierte Krebserkrankung. Bislang liegt deren Ursache weitgehend im Dunkeln. Auf Statistiken beruhende Erklärungen werden immer wieder neu beschrieben.

XMR-Virus in aggressiven Karzinomen

Das XMRV ist nicht unbekannt. Man weiß, dass es bei Tieren Leukämie, Sarkome und Krebs auslösen kann. Dass das XMRV mit dem Prostata-Karzinom in Zusammenhang stehen könnte, wurde bereits im Jahr 2006 formuliert. Damals konnten Wissenschaftler das Virus in Prostatakrebs-Gewebe nachweisen und isolieren.

Die Wissenschaftler um Ila Singh untersuchten 200 Gewebeproben von Prostatakrebs-Patienten. Das XMRV entdeckten sie in gut einem Viertel der Proben. In gesundem Gewebe konnte das Virus zwar auch nachgewiesen werden, aber nur sehr selten. Der entscheidende Unterschied lag darin, dass im Verlauf ihrer Krankheit die Träger des XMR-Virus mit sehr viel aggressiveren Formen des Karzinoms zu kämpfen hatten. Singh räumte ein, über das XMRV wenig zu wissen: „Noch ist vieles zu klären, zum Beispiel, ob der Erreger auch Frauen befällt, ob er an weiteren Krebsarten beteiligt ist, ober er zu den sexuell übertragbaren Viren gehört und wie weit er in der Bevölkerung verbreitet ist.“ Singh sagte weiter, das Virus wachse besser in Verbindung mit Testosteron und wahrscheinlich auch mit anderen steroiden Hormonen. „Wir untersuchen bereits die Körper von hundert Frauen und hundert Männern, die an anderen Todesursachen gestorben sind, um herauszufinden, ob auch andere Organe dieses Virus in sich tragen.“

Kleiner Erfolg

Bestätigen sich die Untersuchungen, so könnte die Entdeckung neue Therapieformen und Präventionsmaßnahmen eröffnen. So, wie sich Frauen heute gegen das Humane Papillomavirus zur Vorbeugung gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen können, könnten Männer dem Prostatakrebs vorbeugen. Allerdings fehlt der endgültige Beweis dafür, dass das XMRV diese Rolle spielt. Immerhin konnten die Wissenschaftler die These widerlegen, wonach es eine genetische Komponente für die Infektion mit dem XMRV gibt. Sie hatten nämlich nach dessen Entdeckung vermutet, eine ganz bestimmte Mutation im Erbgut der Männer mache diese ganz besonders empfänglich dafür. (kws)




11. September 2009 | Kategorie: Gesellschaft

Kommentar schreiben