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Hautkrebs im Solarium

Den Verdacht in Gewissheit gewandelt?

UV-Strahlen beschädigen die Haut und verursachen bei längerer Bestrahlung Hautkrebs. Das ist bekannt. Dieser Umstand veranlasst seit langem viele derer, die den Wert des Menschen über den Bräunungsgrad der Haut definieren, intensiv Sonnenstudios aufzusuchen in der Meinung, damit der schädlichen UV-Strahlung der Sonne auszuweichen. Jetzt hat die der WHO angehörende Internationale Agentur für Krebsforschung IARC (International Agency for Research on Cancer) zweifelsfrei festgestellt, dass die UV-Bestrahlung in Sonnenstudios das Hautkrebsrisiko um bis zu 75 Prozent steigert.

Zu diesem Ergebnis war die IARC mit Hilfe einer sogenannten Meta-Analyse gelangt. Dabei handelt es sich um eine vergleichende Zusammenfassung verschiedener Untersuchungen. Insbesondere in den hochentwickelten Industrieländern sollen Menschen zwischen 18 und 40 Jahren – vor allem Frauen – regelmäßig das Sonnenstudio aufsuchen und sich damit der Gefahr aussetzen, an Hautkrebs zu erkranken. Je früher in ihrer Jugend sie damit begonnen haben, desto höher sei das Risiko. Umfragen zeigen, dass jeder vierte Besucher eines Sonnenstudios bereits lange vor dem 18. Lebensjahr damit begonnen hat, sich die künstliche Bräune zuzulegen.

Gesetzliche Regelung

Am 10. Juli 2009 hatte der Bundesrat den Weg zu einem verbesserten Gesundheitsschutz für Jugendliche in Deutschland freigegeben. Das „Gesetz zur Regelung des Schutzes vor nichtionisierender Strahlung” soll Anfang 2010 in Kraft treten. Damit wird es Minderjährigen nicht mehr gestattet sein, Solarien in Sonnenstudios oder sonstigen öffentlich zugänglichen Räumen zu benutzen. Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, erklärte dazu, das Solarienverbot für Jugendliche unter 18 Jahren sei wichtig, um junge Menschen zu schützen.

UV-Strahlung – Fluch und Segen zugleich

Wurden bislang die durch UV-Licht verursachten Hautschäden insbesondere auf die UVB-Strahlung zurückgeführt, so haben jetzt Tierversuche ergeben, dass die UVA-Strahlung genauso gefährlich ist. Die kurzwelligen UVC-Strahlen dringen erst gar nicht durch die Atmosphäre. Solarien produzieren in ihren Bräunungsgeräten beides, UVA- und die – nicht zu vergessen – für die Bildung von Vitamin D verantwortliche UVB-Strahlung. Die Dosierung erfolgt in der Regel so, dass die Dauerhaftigkeit der Bräunung verbessert wird. Es liegt also bei den Betreibern solcher Studios, Intensität und Beschaffenheit der Strahlung dergestalt zu beeinflussen, dass eine Schädigung der Haut vermieden wird. Dazu gehört natürlich auch, alte Geräte durch neue zu ersetzen.

Die weitaus meisten Sonnenstudios in Deutschland haben trotz aller Appelle nicht reagiert, so Nettekoven. Es werde in zwei Drittel der Solarien nicht über die Gesundheitsrisiken aufgeklärt, in der Hälfte der Fälle werde weder auf die zwingend notwendigen Schutzbrillen hingewiesen noch zum Hauttyp beraten. Rüdiger Greinert, Generalsekretär der Europäischen Gesellschaft zur Prävention von Hautkrebs, stellte fest, auch fünf Jahre nach der freiwilligen Vereinbarung mit den Vertretern der Solarien-Industrie seien die Mindeststandards in den meisten Sonnenstudios noch immer nicht erfüllt.

Neue Konzepte für Sonnenstudios

Der Bundesfachverband Sonnen-Lichtsysteme (SLS) sieht sich mit einem schwierigen Problem konfrontiert. Als Vertreter der Gerätehersteller hat er auf die Betreiber der Sonnenstudios wenig und auf unvernünftige Kunden gar keinen Einfluss. Der Versuch, die Betreiber mit Hilfe eines Qualitätssiegels unter Druck zu setzen, ist weitgehend gescheitert. Bislang sieht die Personalsituation in den meisten Solarien – qualitativ betrachtet – katastrophal aus. Der Pressesprecher des SLS, Prof. Eberhard N. Wüst, sagte dem „gesundheit-report”, es werde im Verband darüber diskutiert, das Berufsbild einer „Solariumsfachkraft” aufzubauen, um Sachkunde beispielsweise bei der  Ausarbeitung eines detaillierten „Besonnungsplanes” gewährleisten zu können. In einem weitergehenden Schritt solle das Solarium nicht nur die permanente Bräune von Sonnenanbetern erhalten, sondern auch Anlaufpunkt für Menschen werden, die lediglich den gesundheitlichen Aspekt der UV-Bestrahlung in Sinne haben. Das setze natürlich voraus, dass nur noch solche Sonnenstudios existieren, deren Mitarbeiter sachkundig individuell beraten und die über eine moderne Technik verfügen, mit welcher Beratungsergebnisse auch umgesetzt werden können.

UV-Lichttherapien werden in verschiedenen Kliniken angeboten, die Geräte sind die gleichen. Wenn die Sonnenstudios sterben, werden einige niedergelassene Dermatologen deren Aufgabe therapeutisch motiviert und medizinisch dosiert übernehmen. (kws)




3. August 2009 | Kategorie: Gesellschaft

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