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HIV/AIDS – Workshop zu Impfstoff- und Mikrobizid-Entwicklung

Kleine Fortschritte sind auch Fortschritte

So wichtig Information und Prävention zur Bekämpfung von HIV/AIDS sind, so unverzichtbar ist ein Impfstoff, um die Virusinfektion weltweit und dauerhaft in den Griff zu bekommen. Wie das Robert-Koch-Institut mitteilte, könnten vor allem in Entwicklungsländern auch Mikrobizide Frauen unabhängig vom Verhalten des Mannes schützen. Bei Mikrobiziden handelt es sich um chemische Substanzen, die therapeutisch als Creme oder Vaginalring angewandt am Eintrittsort des HI-Virus in den Körper, üblicherweise in der Vagina, lokal angewendet werden können, um dort eine Virusübertragung zu reduzieren oder zu verhindern.

In einem Anfang Juli 2009 abgehaltenen Workshop erörterten Wissenschaftler den Stand der Forschung bei Impfstoffen und Mikrobiziden. Das Treffen war gemeinsam vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), vom Paul-Ehrlich-Institut, vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), von der Internationalen AIDS-Impfstoff-Initiative (IAVI) und vom Robert Koch-Institut (RKI) organisiert worden. Die Forschung für Impfstoffe und neue Präventionsansätze, darunter solche mit Mikrobiziden, werden auch im “Aktionsplan zur Umsetzung der HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie der Bundesregierung” als wichtige Bausteine herausgestellt.

Impfstoffentwicklung von zwei Seiten aus

Bislang seien zwei Impfstoffkandidaten vollständig in klinischen Studien getestet worden. Mit beiden sei es nicht gelungen, eine HIV-Infektion zu verhindern oder zu kontrollieren. Die Entwicklung eines Impfstoffes werde dadurch verhindert, dass das HIV genau diejenigen Zellen infiziere, die für den Start oder das Aufrechterhalten einer wirksamen Immunantwort notwendig seien. Also müsse nach Meinung der meisten Wissenschaftler ein wirksamer Impfstoff „beide Arme der Körperabwehr” aktivieren. Der eine Arm ist die zelluläre Immunreaktion, bei der die T-Zellen die Viren bekämpfen, der andere Arm ist die sogenannte humorale Immunreaktion, bei der B-Zellen Antikörper herstellen. Bei den T-Zellen handelt es sich um Lymphozyten, die an der durch die Zelle vermittelten Immunantwort beteiligt sind. Die B-Zellen sind Lymphozyten, die als einzige Zellen Antikörper bilden können und für die humorale Immunantwort verantwortlich sind. Beim Menschen entstehen die B-Zellen im Knochenmark.

Selbst die nur teilweise Wirksamkeit eines Impfstoffes bedeutete einen großen Fortschritt. So schätzt die IAVI, die ihre Impfstoff-Aktivitäten auf den besonderen Bedarf von Entwicklungsländern zugeschnitten hat, dass beispielsweise die Anwendung eines nur zu 50 Prozent wirksamen Impfstoffes, an 30 Prozent der Bevölkerung verabreicht, „die Zahl der Neuinfektionen in Entwicklungsländern in einem Zeitraum von 15 Jahren mehr als halbieren würde”. Die Initiative geht zudem davon aus, dass  ein Impfstoff, der die Infektion nicht verhindert, sondern lediglich die Vermehrung im Körper bremst, „die Prognose für den Betroffenen erheblich verbessern und das Ansteckungsrisiko für andere verringern” könnte. Derzeit sei eine Reihe von Impfstoffen in der klinischen Prüfung. Kurzfristig allerdings seien keine praxisreifen Ergebnisse zu erwarten.

Frauen vor Partner schützen

Die hohen Infektionsraten in Entwicklungsländern führen dazu, dass bereits viele Kinder mit dem HIV geboren werden. Um die steigenden Infektionsraten unter Frauen und Mädchen in den Griff zu bekommen, sei die Suche nach einer Methode notwendig, mit der sich Frauen wirksam und unabhängig vom Partner vor HIV schützen können. Deshalb werde neben der Entwicklung eines Impfstoffes auch an der Entwicklung eines wirksamen Mikrobizids gearbeitet. Auch wenn sich mehrere Kandidat-Mikrobizide in verschiedenen Phasen der Sicherheits- und Wirksamkeitsprüfung befinden, gebe es jedoch, wie bei der Impfstoffentwicklung, bislang kein effektives Mikrobizid, das in Kürze marktreif sein kann. (kws)




7. Juli 2009 | Kategorie: Gesellschaft

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