Pharmaindustrie und Entwicklungsländer
Tauziehen um Teufelskralle & Co
Die Pharmaindustrie verdient gutes Geld mit therapierelevanten Wirkstoffen, die in Pflanzen enthalten sind. So engagieren sich Pharmaunternehmen nicht umsonst immer mehr für den Schutz des Regenwaldes. Dieser stellt eine schier unerschöpfliche und unbezahlbare Ressource an Rohstoffen dar. Auch andere Gebiete der Erde halten solche Stoffe bereit. Meist jedoch sind sie in Entwicklungs- oder Schwellenländern zu finden.
Beispielsweise ist die afrikanische Teufelskralle, ein Sesamgewächs, das hauptsächlich in den Steppen Namibias wächst, bei den Pharmaunternehmen sehr begehrt. Die Speicherwurzeln dieser Pflanze enthalten nämlich einen Wirkstoff, aus dem Naturheilmittel gegen entzündliche Gelenkerkrankungen, Rheuma, Hexenschuss, Gicht, Arthritis und andere Symptome hergestellt werden. Dabei nutzen die Pharma-Konzerne nicht nur die „Hardware”, also die Pflanze und deren Wirkstoffe, sondern auch die Software, das Wissen um die Anwendbarkeit, das die dort ansässigen Naturvölker zuerst entdeckten. Obwohl eigentlich diesen Völkern das Patent zustünde, gehen sie bei der Vermarktung leer aus.
Gerechter Vorteilsausgleich
Die Internationale Konvention über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity – CBD), deren Präsident derzeit Bundesumweltminister Siegmar Gabriel ist, fordert einen gerechten Vorteilsausgleich.
Wie das Bundesumweltministerium feststellt, liegt einer der großen ungelösten Interessenskonflikte zwischen Industrie- und Entwicklungsländern darin, bei der kommerziellen und industriellen Ausbeutung von biologischen Ressourcen und der Vermarktung traditionellen Wissens die Interessen indigener Völker zu schützen. Erklärtes Ziel der deutschen CBD-Präsidentschaft sei es, „diesen Konflikt durch ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen zu lösen, das den Zugang zu biologischen Ressourcen und einen gerechten Vorteilsausgleich (Access and Benefit Sharing, ABS) gewährleisten soll”. Vom 6. Bis zum 10. Juli 2009 beraten auf der Insel Vilm im Bodden zwischen der Insel Rügen und dem Festland Experten und Vertreter indigener Völker darüber, wie ein solches Abkommen aussehen könne.
Bereits bei der Vertragsstaatenkonferenz der CBD im Mai des vergangenen Jahres in Bonn war beschlossen worden, bis zum Jahr 2010 eine völkerrechtlich verbindliche Vereinbarung zu treffen, die den Zugang zu den biologischen Ressourcen und einen gerechten Vorteilsausgleich regelt. Die Expertenkonferenz soll jetzt Empfehlungen ausarbeiten, „wie die gerechte Aufteilung der Gewinne bei Nutzung des traditionellen Wissens in einem zukünftigen ABS-Regime besser berücksichtigt werden kann”. Zudem soll das Treffen die Vertreter indigener Gruppen für die im November 2009 in Montreal stattfindende Sitzung der ABS-Arbeitsgruppe munitionieren. (kws)
