Gebärdensprache digitalisiert
Erstes hochdeutsches Lexikon als Videosequenzen
Gab es bislang verschiedene Varianten der deutschen Gebärdensprache, so soll sich das jetzt nach dem Willen der Bundesregierung ändern. Denn erstmals gibt es ein Wörterbuch für hochdeutsche Gebärdensprache. Dafür wurden die verschiedenen „Dialekte” zu einer einheitlichen, hochdeutschen Gebärdensprache zusammengeführt.
Selbst Gehörlose machen sich oft wenig Gedanken darüber, dass es in Deutschland auch in der Gebärdensprache Dialekte gibt. So wird in Süddeutschland anders gebärdet, als in Westdeutschland.
Das vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) geförderte digitale Wörterbuch verfügt über rund 18.000 Videos. Damit bietet es eine gute Voraussetzung dafür, die deutsche Gebärdensprache zu standardisieren. Insbesondere wird es dadurch möglich, zukünftig alle hörgeschädigten Kinder und Erwachsene zusätzlich zur Lautsprache auch in deutscher Gebärdensprache zu unterrichten.
Andreas Storm, Staatssekretär im BMBF, erklärte anlässlich der Vorstellung des neuen Wörterbuches in Berlin: „Dieses Wörterbuch ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zu mehr Chancengerechtigkeit in Bildung und Ausbildung für möglichst alle Menschen. Das Lernen wird jetzt für viele Hörgeschädigte leichter.”
Gleiche neuronale Stimulierung
Mit dem Einsatz des Lexikons seien die Ergebnisse verschiedener Studien umgesetzt worden. Diese hätten die neuronale Sprachverarbeitung bei Schülerinnen und Schülern untersucht, die bilingual – also in deutscher Gebärdensprache und in Lautsprache – unterrichtet werden. Eine dieser Studien war, vom BMBF gefördert, vor zwei Jahren an der Universität Hamburg durchgeführt worden. Die Ergebnisse dieser Studie waren eindeutig: Sie zeigten, dass Kinder, die früh Gebärdensprache lernen, die gleiche neuronale Stimulierung erfahren, wie sie auch beim Erlernen der Lautsprache zu beobachten ist. Daraus sei zu schließen, dass durch die Gebärdensprache ähnliche Lernprozesse im Hirn aktiviert werden wie durch die Lautsprache. Da die Lautsprache nicht für alle hörgeschädigte Menschen eine Option sei, solle die Gebärdensprache breiten Eingang in Kindergarten und Schule, in die betriebliche Ausbildung und die Ausbildung an beruflichen Schulen finden, um die Voraussetzungen zur Teilhabe Gehörloser am lebenslangen Lernen entscheidend zu verbessern.
„Das große Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache” wurde in einem vom BMBF geförderten Projekt im Auftrag des Bundeselternverbandes gehörloser Kinder e.V. vom Verlag Karin Kestner umgesetzt. (kws)
