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Behandlungsfehler vermeiden statt bekämpfen

BMG unterstützt WHO-Projekte zur Patientensicherheit

„UE”, „VUE”, „F”, „KE” und „BS” – so lauten die Kürzel für „Unerwünschtes Ereignis”, „Vermeidbares Unerwünschtes Ereignis”, „Fehler”, „Kritisches Ereignis” und „Beinahe-Schaden”. Mit diesen Begriffen werden Schwachstellen in Arztpraxen und Krankenhäusern sowie deren Auswirkungen, landläufig als Kunstfehler bezeichnet, jeweils auf einen Nenner gebracht. Anlässlich ihres Deutschlandbesuchs sprach die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Dr. Margret Chan, mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt über Fragen der Patientensicherheit.

Wie wichtig dieses Thema ist, zeigen die Zahlen. In Deutschland werden mehr als 500.000 Menschen jährlich als Patienten in einem Krankenhaus gesundheitlich geschädigt, rund 130.000 davon mit Folgeschäden. Bei jährlich 17 Millionen Behandlungen in Kliniken gebe es 160 Todesfälle, die dokumentiert seien, so der Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, Johann Neu, in einem Bericht des „Stern” bereits im November 2007.

Schwachstellen im Krankenhaus offen benennen

Die Ministerin sagte, angestoßen durch die Aktivitäten der WHO seinen in Deutschland zahlreiche Maßnahmen ergriffen worden, um die Patientensicherheit zu verbessern. Ein Schwerpunkt liege dabei auf dem Krankenhausbereich. „Fehler bei der medizinischen Behandlung müssen so weit wie möglich vermieden wer­den. Daher müssen Schwachstellen im Kranken­haus offen benannt und Verbesserungen eingeleitet werden. Schwerwiegende Fehler wie Eingriffs- und Seiten­verwechs­lungen bei operativen Eingriffen können so verhindert werden.” Schmidt unterstrich, Deutschland beteilige sich aktiv an Initiativen der WHO zur Stärkung der Patientensicherheit und werde das WHO-Projekt „Action on Patient Safety – High 5s” intensiv unterstützen. Der Begriff „High 5s” steht dabei für die fünf Top-Themen:

  1. Management von konzentrierten injizierbaren Medikamenten (Managing Concentrated Injectable Medicines)
  2. Sicherstellung der richtigen Medikation bei Übergaben im Behandlungsprozess (Assuring Medication Accuracy at Transitions in Care)
  3. Kommunikation bei Übergaben im Behandlungsprozess (Communication During Patient Care Handovers)
  4. Verbesserte Handhygiene zur Vermeidung krankenhausassoziierter Infektionen (Improved Hand Hygiene to Prevent Health-Care-Associated Infections)
  5. Vermeidung von Eingriffsverwechslungen (Performance of Correct Procedure at Correct Body Site)

Die Gesundheitsministerin erklärte: „Ganz konkret und praxisnah sollen Handlungsstrategien für besonders fehlerrelevante Bereiche in Krankenhäusern erprobt und ihre Wirksamkeit bewertet werden. Es geht dabei unter anderem um die bereits genannten Seitenverwechs­lungen, aber auch um Fehlervermeidung bei der Medikation in Krankenhäusern und bei wechselnder Behandlungssituation.”

Hände waschen nicht vergessen

Mit der ‚Aktion Saubere Hände’ liefere Deutschland einen wichtigen Beitrag zur WHO-Kampagne ‚Clean Care is safer care’ und stärke damit national die Patientensicherheit in diesem Bereich. Die sorgfältige Händedesinfektion sei eine einfache und zugleich kostengünstige Maßnahme, um das Auftreten von Krankenhausinfektionen zu vermeiden. Nach Schätzungen seien ein Drittel der Krankenhausinfektionen in Deutschland vermeidbar, und die wichtigste Einzelmaßnahme zur Prävention von Krankenhausinfektionen sei die Händedesin­fektion.

Bei der „Aktion saubere Hände” handelt es sich um eine nationale Kampagne zur „Verbesserung der korrekten Anwendung von Hände­desinfektion in Krankenhäusern”. Seit Beginn der Kampagne im Jahr 2008 nehmen rund 500 Kranken­häuser in Deutschland an diesem Projekt teil, ein großer Erfolg, wie die Bundesgesundheitsministerin betonte.

Arzneimittel sicher handhaben

Seit dem Jahr 2005 fördert das Bundesgesundheitsministerium zur Verbesserung der Patientensicherheit das „Aktionsbündnis Patientensicherheit”. Das Bündnis hat die Aufgabe, Empfehlungen und praxis­nahe Konzepte zu erarbeiten, um durch gezieltes Fehlermanagement die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern. Ein wichtiger Baustein zur Verbesse­rungen der Patientensicherheit sei die Arznei­mitteltherapiesicherheit. Hierzu hat das Bundesgesundheitsministerium einen Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimittel-therapiesicherheit 2008/2009 erstellt. (kws)




18. März 2009 | Kategorie: Gesellschaft

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