Tödlicher Spitzenreiter – Tuberkulose
Auf Welttuberkulosetag soll Bilanz gezogen werden
Die Tuberkulose (TBC, Schwindsucht, Morbus Koch) ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, die meist die Lungen befällt und durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. TBC ist die am häufigsten zum Tode führende Krankheit, die medizinisch behandelt werden kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass Tuberkulose in den kommenden zehn Jahren weltweit rund 30 Millionen Menschleben fordern wird. In Deutschland ist die Zahl der Erkrankungen seit geraumer Zeit rückläufig. Dennoch wies Prof. Dr. Jörg Hacker, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März 2009 darauf hin, dass eine Tuberkulose-Erkrankung meist aufwändige Maßnahmen des Gesundheitsamtes und mehrere Wochen Krankenhausbehandlung erfordere.
Das Motto in diesem Jahr lautet: „Stoppt TB – Jeder trägt Verantwortung.” Das Institut teilte in einer gemeinsamen Presseerklärung mit dem Deutschen Zentralkomitée zur Bekämpfung der Tuberkulose, dem Koch-Metschnikow-Forum und dem Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien mit, dass sowohl die nationale wie auch die internationale Tuberkulosesituation Thema sein werde und in einem Symposium, das am 22. Und 23. März stattfindet, erörtert werden soll. Hier seien auch Partner aus dem Ausland vertreten.
Eine vielseitige Krankheit
Die Tuberkulose zeige sich in Deutschland bei etwa 80 Prozent der Erkrankten als Lungentuberkulose, sie könne aber durchaus über die Blutbahn streuend jedes Organ befallen, wie Lungenfell, Hirnhäute, Knochen, Harnwege, Verdauungstrakt oder Haut. Dementsprechend vielgestaltig präsentiere sich diese Erkrankung. Der Beginn der Krankheit verlaufe meist uncharakteristisch. Mögliche Allgemeinsymptome seien Einschränkungen des Allgemeinbefindens, Gewichtsabnahme, Konzentrationsstörungen, Fieber, vermehrtes Schwitzen (besonders nachts), Appetitmangel, Müdigkeit, allgemeine Schwäche oder Zeichen eines grippalen Infektes. Respiratorische Beschwerden könnten in Form von Husten, Thoraxschmerzen und Atemnot auftreten. Jeder länger als drei Wochen bestehende Husten sollte unbedingt abgeklärt werden.
Starker Anstieg in den GUS-Staaten
Weltweit trügen rund zwei Milliarden Menschen das Bakterium in sich. Es erkrankten jährlich über acht Millionen Menschen an Tuberkulose, ein Drittel davon sterbe an den Folgen der Erkrankung. Die meisten Krankheitsfälle treten in Afrika, Südostasien sowie Krisengebieten auf. In Westeuropa sei die Tuberkulose in den letzten hundert Jahren durch verbesserte Lebensbedingungen und wirksame medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten stark zurückgegangen. Alarmierend sei der Anstieg der Tuberkulose-Erkrankungen in den GUS Staaten.
In Deutschland gehört die Tuberkulose zu den meldepflichtigen Krankheiten, was bedeutet, dass der behandelnde Arzt eine Erkrankung oder den Tod durch Tuberkulose an das zuständige Gesundheitsamt melden muss. Den Statistiken des RKI ist zu entnehmen, dass es hierzulande im Jahr 2005 insgesamt 6.045 Neuerkrankungen gab. Damit setze sich der langfristig rückläufige Trend in Deutschland weiter fort.
Leichter Rückgang multiresistenter Erreger
Dem neu erschienen RKI-Bericht zur „Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland im Jahr 2007″ zufolge waren dem Robert Koch-Institut insgesamt 5.020 Tuberkulosen (Vorjahr: 5.382) übermittelt worden, was statistischen 6,1 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner entspricht (Vorjahr: 6,5). Zudem sei im Jahr 2007 ein leichter Rückgang resistenter Erreger beobachtet worden. So sei der Anteil multiresistenter Stämme von 2,2 Prozent auf 2,0 Prozent gesunken. Beim RKI werden die Daten für Deutschland zentral gesammelt, insbesondere diejenigen zu Behandlungsergebnissen und zur Resistenzsituation. Das RKI ist zudem nationaler Kontaktpunkt der Weltgesundheitsorganisation WHO für die Tuberkulose-Kontrolle.
Stipendienprogramme für osteuropäische und asiatische Ärzte
Dem Tuberkulose-Report 2006 der WHO gemäß seien die Erkrankungszahlen in allen Regionen der Erde erstmals gesunken. Das gelte jedoch nicht in der WHO-Region Europa, zu der auch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion (GUS) zählten. In Deutschland gebe es eine Reihe von Aktivitäten in den besonders betroffenen Regionen. So führe das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose neben weiteren nationalen und internationalen Projekten ein Stipendienprogramm für osteuropäische und asiatische Gastärzte durch. Osteuropa sei auch der Schwerpunkt des Koch-Metschnikow-Forums, einer deutsch-russischen Initiative des Petersburger Dialoges, die Kooperationsprojekte auf dem Gebiet der Bekämpfung der Infektionskrankheiten koordiniere und gestalte. Das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien in Borstel führe, auch in seiner Funktion als Supranationales Referenzzentrum der WHO, Qualitätskontrollen zur Tuberkulosediagnostik in mehr als einem Dutzend Staaten durch. Es helfe zudem beim Aufbau von Tuberkulose-Programmen und -Laboratorien, vorwiegend in den GUS-Ländern, und biete Trainingskurse an. (kws/rki)

Wir hatten lange Ruhe auf unserer Station (Gastroenterologie). Aber langsam kommen immer wieder PatientInnen (meist mit Migrationshintergrund) mit Tbc. In der Regel wegen unseres Fachgebietes mit Organbefall und nicht mit offener solcher. Bei enem Besuch des Pulmologischen Zentrums in Wien 1995 wurde damals schon vor resistenten Stämmen gewarnt.