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INCB stellt Jahresbericht 2008 vor

Suchtstoffkontrollrat warnt eindringlich

Der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) hat seinen Jahresbericht veröffentlicht. Darin wird unter anderem vor neuen Kanälen gewarnt, die Ephedrin und Pseudoephedrin für illegale Zwecke abzweigen. Die Chemikalien werden zur Herstellung von amphetaminähnlichen Stimulanzien (ATS) wie beispielsweise MDMA, besser bekannt als Ecstasy, verwendet. Der INCB wurde im Jahre 1968 in Wien gegründet und wacht über die Einhaltung der UN-Drogenkontrollverträge, die Anbau, Produktion und Verwendung von Drogen kontrollieren sollen. Der Rat ist ein Gremium von dreizehn regierungsunabhängigen Experten. Artikel 12 des Übereinkommens der Vereinten Nationen gegen den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen und psychotropen Stoffen verpflichtet dessen Vertragsstaaten, den INCB regelmäßig mit Informationen zu versorgen, damit sich dieser einen Überblick verschaffen kann.

Zu seiner Warnung erklärte der INCB, hinter den Kanälen steckten kriminelle Organisationen, die sich als seriöse Scheinfirmen tarnten, um an die zur Herstellung illegaler Drogen benötigten Chemikalien zu gelangen. Zudem hätten im Jahr 2008 afrikanische Staaten Substanzen, die Ephedrin und Pseudoephedrin enthalten, in Mengen importiert, die deren jährlichen Bedarf für medizinische und wissenschaftliche Zwecke deutlich überstiegen. Viele der verdächtigen Sendungen, die nach Afrika gelangten, seien für Mexiko bestimmt gewesen, von wo aus die Vereinigten Staaten mit Methamphetamin versorgt werden. In Belize, El Salvador und Honduras sei die Nachfrage nach pseudoephedrinhaltigen Arzneimitteln gestiegen. Der INCB ruft in seinem Bericht dringend dazu auf, den kommerziellen Handel mit Chemikalien genau zu überwachen. Drogenhändler nutzten die Schlupflöcher, die der internationale Handel biete, um sich mit den notwendigen Rohstoffen für ihre Drogenlabore zu versorgen.

Der  INCB-Jahresbericht 2008 stellt fest, dass sich das internationale Drogenkontrollsystem sehr bewährt habe, jedoch keineswegs perfekt sei. Zweifellos lasse es sich verbessern, und zu diesem Zweck gebe es Modifikationsverfahren. So rät der INCB dazu, noch mehr Anstrengungen bei der Drogenmissbrauchsprävention zu unternehmen und in der Schmerz-Medizin die vernünftige Anwendung von schmerzstillenden Opioiden zu fördern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich bis zu 86 Millionen Patienten unter mittleren bis starken Schmerzen leiden. Der Präsident des INCB, Professor Hamid Ghodse, sagte: Die Staaten sollten das Betäubungsmittel-Zugangsprogramm der WHO nutzen, um die Verfügbarkeit von Drogen für medizinische Zwecke zu verbessern.

Westafrika entwickelt sich

Zunehmend werden Kokainlieferungen für Europa über Westafrika abgewickelt. Dabei ist nicht nur die geographische Lage Westafrikas von Vorteil. Auch schwache staatliche Strukturen und Korruption schränken die Möglichkeiten zum Kampf gegen den Drogenmissbrauch stark ein.

Drogenschmuggel ist in diesen Ländern ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor. So hegt der Rat die begründete Befürchtung, politische, wirtschaftliche und soziale Strukturen könnten mit der Folge ausgehöhlt werden, dass die Regierungen die Kontrolle verlieren oder, noch schlimmer, in naher Zukunft von Kartell-Angehörigen repräsentiert werden. Einige Regierungen haben das Problem erkannt und wie beispielsweise Senegal ein neues Gesetz verabschiedet, das die Strafen für den Handel mit Drogen erhöht. Ähnliches wird derzeit in Nigeria vorbereitet und in Guinea-Bissau wird die Drogenkontrolle mit Hilfe von Mitteln aus der internationalen Gemeinschaft unterstützt.

Afghanistan und der Drogenanbau

Obwohl in Afghanistan die Anbauflächen von Schlafmohn weniger werden und der Anbau um 19 Prozent gesunken ist, kommen aus diesem Land weltweit immer noch mehr als neunzig Prozent des illegalen Opiums. Aus dem Bericht des INCB geht hervor, dass der Drogenhandel ungeachtet der Verringerung der Gesamtanbaufläche ein sich im ganzen Land ausbreitendes Übel sei und sich die Situation bezüglich des Drogenkonsums verschlimmere. Der Schmuggel von afghanischen Opiaten in großem Umfang führe zu einer Reihe von sozialen Problemen, unter anderem zu organisiertem Verbrechen, Korruption und Drogenmissbrauch.

Der Anbau von Cannabis ist lukrativer geworden und hat damit zugenommen. Der INCB fordert die afghanische Regierung auf, den Bauern eine Grundlage für eine legale und nachhaltige Lebensweise zu bieten, um diesen alarmierenden Trend zu stoppen. Der INCB verlangt die vollständige Umsetzung der Resolution 1817 des Sicherheitsrats, die an alle Mitgliedstaaten appelliert, insbesondere an jene, die chemische Vorläuferstoffe herstellen, sowie an die Nachbarländer Afghanistans und die an den Schmuggelrouten gelegenen Länder, etwaige Schlupflöcher zu beseitigen, die von kriminellen Organisationen zur Abzweigung von Vorläufersubstanzen aus dem internationalen Handel genutzt werden.

Weltweite Entwicklungen

Der INBC beschreibt in seinem Bericht die wichtigsten Entwicklungen bei Drogenmissbrauch Drogenhandel. So habe sich Westafrika zu einem der weltgrößten Umschlagplätze für den Kokainschmuggel von Südamerika nach Europa entwickelt. Ostafrika sei Haupttransitroute für den Heroinschmuggel von Südwestasien nach Afrika.

In einigen Ländern Mittelamerikas und der Karibik nehme der Drogenmissbrauch zu mit der Konsequenz, dass auch die Verbrechensrate gestiegen sei. In Nordamerika führe die Konkurrenz zwischen den Drogenkartellen und innerhalb der Drogenkartelle sowie die Konflikte zwischen Drogenhändlern und Vollstreckungsbeamten zu wachsender Gewalt mit den entsprechenden Problemen. Die mexikanische Regierung werde wegen ihrer Versuche, Drogen zu kontrollieren und das organisierte Verbrechen zu bekämpfen, von Seiten der Drogenkartelle angegriffen. In den vergangenen Jahren werde aus den meisten südamerikanischen Ländern von zunehmendem Kokainmissbrauch berichtet, was wahrscheinlich eine Folge des Drogenhandels vor Ort sei.

Aus China, Malaysia und Vietnam kommen Hinweise auf einen signifikanten Anstieg beim Missbrauch amphetaminähnlicher Stimulanzien. Die breite Verfügbarkeit dieser Substanzen dort könne zu wachsenden Problemen in Südasien führen.

Auf der arabischen Halbinsel öffneten sich neue Drogenhandelsrouten, auch für Heroin aus Ländern außerhalb Westasiens.
In den osteuropäischen Ländern sowie in der russischen Föderation und den Ländern entlang der Balkanroute stieg der Opiatmissbrauch an. Zudem breite sich der Heroinmissbrauch unter jungen Drogenkonsumenten in Westeuropa aus.

Schließlich sei beobachtet worden, dass der Drogenhandel von Kanada nach Australien zunimmt. Methamphetamin für Neuseeland komme weiterhin überwiegend aus China, doch in letzter Zeit sei der Handel mit kanadischem Methamphetamin gestiegen.

Der Jahresbericht 2008 des INCB kann unter dem folgenden Link heruntergeladen werden:

http://www.unric.org/html/german/drogen/incb/2009/INCB_Report_2008_English.pdf

(kws)




19. Februar 2009 | Kategorie: Gesellschaft

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