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Wird die Tuberkulose wieder zum Problem?

Zahl der Infektionen bei Kindern steigt kontinuierlich an

War noch bis zum Jahr 2008 ein Rückgang bei Tuberkulose-Infektionen zu verzeichnen, so stagniert seither die Zahl der Erkrankungen auf einem Niveau. Die aktuellen Zahlen hat jetzt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem neuen Tuberkulose-Jahresbericht veröffentlicht. Demnach hat für das Jahr 2010 das RKI 4.330 Tuberkulose-Fälle mit 136 Todesfällen registriert, nicht viel weniger als im Jahr 2009, in dem es 4.419 Erkrankungen mit 164 Todesfällen gab. Auffällig ist, dass bei Kindern seit dem Jahr 2008 ein stetiger Anstieg beobachtet werden kann.

Mykobakterium-Tuberculosis-Kultur, Foto: Centers for Disease Control and Prevention (USA) / Wikipedia

Wie das RKI mitteilt, nähert sich die Gesamtzahl der Erkrankungen seit dem Jahr 2008 nach Jahren des Rückgang einem Plateau. „In Anbetracht der Schwere der Krankheit und der Behandlungsdauer von mindestens sechs Monaten ist das noch immer eine viel zu hohe Zahl von Erkrankungen“, zeigt sich Reinhard Burger, Präsident des RKI, besorgt.

Kinder sind Indikator für das Gesamtgeschehen

Ein Hinweis auf die mögliche Trendänderung nach oben seien die Fallzahlen bei Kindern unter 15 Jahren. Waren im Jahr 2008 noch 124 Fälle gemeldet worden, so stieg die Zahl im Jahr 2009 auf 142 und im Jahr 2010 auf 158 erkrankte Kinder. Diese Entwicklung sei deswegen besonders aufschlussreich, weil bei Kindern davon ausgegangen werden kann, dass die Ansteckung erst kürzlich erfolgt ist. Sie sei daher ein Indikator für das aktuelle Infektionsgeschehen. Daraus wiederum könne auf einen möglicher Weise bevorstehenden Wiederanstieg der Tuberkulosefälle in den kommenden Jahren geschlossen werden, wie dies in einzelnen Ballungsräumen in Deutschland bereits heute zu beobachten sei.

Bessere Finanzierung notwendig

Burger fordert in diesem Zusammenhang eine bessere Finanzierung der Gesundheitsbehörden. Im Mittelpunkt einer Strategie gegen einen drohenden Anstieg der Tuberkulose-Erkrankungen müsse die Unterbrechung der Infektionsketten stehen. Das bedeute, die Gesundheitsämter müssten oftmals unter schwierigen Bedingungen im Umfeld der Erkrankten detektivische Arbeit leisten, um weitere Infizierte und Kranke zu finden. „Daher ist eine ausreichende personelle und finanzielle Ausstattung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes unverzichtbar“, so Burger.

Die Behandlung einer Tuberkulose ist langwierig und komplex. Auf der einen Seite müsse zur erfolgreichen Therapie über mehr als ein halbes Jahr eine Kombination von mehreren Medikamenten verabreicht werden. Auf der anderen Seite müssten oft Klinik, behandelnder Arzt und Gesundheitsamt den Patienten begleitend zusammenarbeiten.

Wichtige Hinweise des Robert-Koch-Institutes

Das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) haben neue Empfehlungen zur Therapie der Tuberkulose veröffentlicht. Sie sind auch im Epidemiologischen Bulletin erläutert (Ausgabe 11 & 12/2012), das der Tuberkulose dieses Jahr zwei Schwerpunkthefte widmet. Ländergrenzen sind kein Hindernis für die Tuberkulose. Insbesondere Länder mit hohen Erkrankungsraten werden daher im Kampf gegen die Lungenkrankheit unterstützt. So helfe das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien (Forschungszentrum Borstel) seit Jahren dabei, in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion Tuberkulose-Programme und Tuberkulose-Laboratorien zu installieren. Die deutsch-russische Wissenschaftsorganisation „Koch-Metschnikow-Forum“ kümmert sich um die Gestaltung von Partnerprogrammen und wissenschaftlichen Kooperationsprojekten vor allem mit Russland, Georgien und Moldawien. (kws)




21. März 2012 | Kategorie: Gesellschaft

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