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Kinder mit Psychopharmaka traktiert

Pillen gegen ADHS weit an der Spitze

In Arztpraxen werden offenbar immer mehr Kindern Psychopharmaka verordnet. Den weitaus größten Anteil daran haben Ritalin, Concerta, Medikinet oder Equasym – alles Handelsnamen für Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat, die gegen das sogenannte ADS oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts)-Syndrom) verabreicht werden. Zweierlei falle bei der Verschreibung von Psychopharmaka besonders auf: Erstens betreffe ein Fünftel der Verordnungen Medikamente, die bei Kindern und Jugendlichen gar nicht eingesetzt werden sollen, zweitens seien es häufig fachfremde Mediziner, beispielsweise Hausärzte, die solche Mittel verschreiben.

Foto: Techniker-Krankenkasse

Eine Auswertung von Daten der Techniker Krankenkasse (TK) macht deutlich, dass innerhalb von vier Jahren die Abgabe von Pillen gegen ADHS an TK-versicherte Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren von 20.000 auf 29.000 gestiegen ist, ein Zuwachs um rund 30 Prozent. Alarmierend sei auch die Steigerung bei Risperidon. Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff gegen Aggressionen, der bei Verhaltensstörungen eingesetzt wird. Im Zeitraum von 2006 bis 2010 habe sich die Zahl von 682 TK-versicherten Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 17 Jahren auf 1.532 mehr als verdoppelt.

Alternativ die Seele therapieren

Die Fachwelt fordert eine Kehrtwende zu mehr Ursachenforschung. So erklärte der Vorsitzende der Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und ehemalige Geschäftsführende Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Hannsjörg Seyberth: „Die Kinder stehen heute unter einem enormen familiären und schulischen Druck zu funktionieren. Verhaltensauffälligkeiten sofort mit Medikamenten zu bekämpfen, ist dabei der falsche Weg.“ Seyberth warnte vor dem Einsatz von Psychopharmaka insbesondere bei Kindern, weil Spätfolgen und Langzeitwirkungen bislang nur wenig erforscht seien. „Gerade vor dem Einsatz von Psychopharmaka sollten die Ursachen der psychischen Störung genau untersucht und wenn möglich mit anderen Therapiemöglichkeiten wie zum Beispiel Psycho- oder Verhaltenstherapie behandelt werden.“

Kritik an der Ärzteschaft

Vor dem Hintergrund der Verschreibungszahlen von Antidepressiva an Kinder und Jugendliche übte Dr. Martina Köthemann, Apothekerin bei der TK, an der Ärzteschaft deutliche Kritik. Es falle auf, dass zunehmend fachfremde Mediziner Antidepressiva verschreiben. „Die Behandlung mit Psychopharmaka gehört in die Hände von Fachärzten. Denn die Wirksamkeit und Risiken der verschiedenen Arzneimittel müssen genau abgewogen werden. Gerade bei Kindern und Jugendlichen können bestimmte Antidepressiva schwere Nebenwirkungen wie Vergiftungen, Herz-Rhythmus-Störungen oder Suizidrisiko auslösen.“ (kws)




20. Oktober 2011 | Kategorie: Gesellschaft

3 Kommentare »

  1. Hauptsache, es wird weiterhin verleugnet und verschwiegen, dass Tausende Umweltgifte (Pestizide, Wohngifte, etc.) und Tausende künstliche Duftstoffmoleküle in Parfüms, Duschgels, Haarshampoos, Haargels, Haarsprays, AfterShaves, Bodylotions, Cremes, Hunderte Zusatzstoffe in Lebensmitteln und mit Medikamentenrückständen und Schwermetallen belastetes Trinkwasser uns alle immer kränker machen, ganz besonders die Kinder! Das spielt ja überhaupt keine Rolle… Die Menschen wurden schon immer für dumm verkauft. Willkommen im modernen Mittelalter!

  2. Liebe Eltern,
    lassen Sie sich nicht verunsichern! Die Einnahme von Methylphenidat (Ritalin und Co.) ist bei ADHS-Kindern häufig sehr sinnvoll und auch gesundheitlich nicht bedenklich. Informieren Sie sich unter folgenden Links:
    http://www.adhs.info/
    http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2011-05/adhs-medikamente-verschreibung
    http://www.tokol.de/
    Wer durch Falsch- und Halbiniformation dazu beiträgt, dass ADHS-kinder nicht richtig behandelt werden, der macht sich an diesen Kindern schuldig!

  3. Lieber Herr Dreher,

    Recht haben Sie. Methylphenidat ist – natürlich nach sorgfältiger Diagnose – ein ungeheuer wertvoller und hilfreicher Wirkstoff. Ich will ihn nicht missen, die Nebenwirkungen sind minimal, die Medikamente machen andere Therapien überhaupt erst möglich und so insgesamt ein normales Leben.
    Die Umweltgift-Theorie ist in meinen Augen kompletter Unsinn. Das ist wirklich Mittelalter.

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