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„Im neunten Bett stirbt man nicht“

Performance befasst sich mit Angst krebskranker Kinder

Wenn Kinder und junge Menschen an Krebs erkranken, ist das ein einschneidendes Ereignis für beide Seiten – für die von der Krankheit Betroffenen und für deren Eltern. Nicht selten befinden sich die Erkrankten in einem Dilemma: Sie haben Schuldgefühle und stellen ihre eigenen Gefühle zurück, um die Eltern zu trösten. Dadurch verschieben sich die Ängste in einen Bewusstseinsbereich, der meist nur den Kindern und Jugendlichen selbst zugänglich ist. Das bedeutet, die Außenwelt nimmt gar nicht wahr, was in ihnen wirklich vorgeht.

Dieses Konfliktes nimmt sich das Bonner Theater im Hörsaal mit seinem Projekt „ZAUBERBERGMANIFEST – Im neunten Bett stirbt man nicht“ an. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus Rauminstallation und Performance. Regisseur Franz-Josef Becker bedient sich der authentischen Geschichten krebskranker Kinder und Jugendlicher vor, während und nach ihrer Therapie. Der zentrale Punkt dabei ist die Angst. Schauplatz der Performance ist die Villa Eschbaum auf dem Gelände der Universitäts-Kinderklinik Bonn in der Adenauer-Allee. Dort werden heute nur noch die Räume im Erdgeschoss hin und wieder für Besprechungen genutzt. Die oberen Etagen, in denen sich überwiegend ausgediente Labore befinden, bleiben inklusive ihres alten Inventars weitgehend ungenutzt.

Fünf der Räume in der Villa werden zur begehbaren Installation, durch welche die Besucher geführt werden. Alleine deren Anwesenheit macht sie zum Bestandteil des Erlebens der Kinder zwischen Warten über Diagnose und Therapie bis hin zur Rehabilitation. Dabei wird der ständige Begleiter, die Angst, subtil und suggestiv transportiert. In jedem der fünf Räume erwartet den Besucher eine besondere Situation, in welcher er die Angst der Kinder und Jugendlichen spüren kann.

Das Theater im Hörsaal ist ein eingetragener Verein, der sich bereits durch mehrere Aufführungen einen Namen gemacht hat. So setzte Becker neben der Bühnenfassung von Juli Zehs Roman „Spieltrieb“ bereits „Täter“ von Thomas Jonigk und „Hasenfratz“ von Martin Baucks in Szene. Die Uraufführung von „Zauberbergmanifest – Im neunten Bett stirbt man nicht“ findet am 14. Oktober 2011 statt. Im Anschluss an die Premiere wird es sieben weitere Vorstellungen geben. Informationen finden Sie im Internet unter der Webadresse theaterimhoersaal.de. Je Vorstellung ist Platz für maximal 36 Besucher.

Das Projekt wird unter anderem vom Fond Soziokultur Bonn, sowie der RheinEnergieStiftung Kultur Köln gefördert. (kws)




12. September 2011 | Kategorie: Gesellschaft

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