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Minderwertiges Fleisch in Kühltheken

Schutzatmosphäre aus konzentriertem Sauerstoff macht’s möglich

Wer glaubt, frisches Fleisch aus der Kühltheke zu erwerben, sollte sich nicht zu sicher sein. Die Analyse von 154 Frischfleischverpackungen aus den Filialen großer Handelsketten haben sogar Verdorbenes an den Tag gebracht. Bei sämtlichen Proben handelte es sich um Rind- und Schweinefleisch vom Schnitzel bis zum Hackfleisch, die in Plastikschalen luftdicht „unter Schutzatmosphäre“ abgepackt waren. In allen Fällen sorgte hochkonzentrierter Sauerstoff für die visuelle Attraktivität auch minderwertigen Fleisches.

Ermittlung der Gase in der Atmosphäre der Packung und der TBARS-Werte (Foto: foodwatch)

Der stellvertretende Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch, Matthias Wolfschmidt, erklärte dazu: „Die Handelsketten gaukeln ihren Kunden Frische vor und jubeln ihnen minderwertiges Fleisch unter. Aus reinem Gewinninteresse werden in vollem Bewusstsein erhebliche Nachteile für die Kunden in Kauf genommen.“ Das Gas-Gemisch färbe das Fleisch außen so, dass es „schlachtfrisch“ aussehe. Dermaßen kosmetisch behandelt lasse es sich besser und länger verkaufen. Dabei nehmen die Verantwortlichen offenbar Gesundheitsrisiken für die Kunden in Kauf. Durch die Behandlung werde das Fleisch schneller zäh und ranzig, weil Fettverderb und Oxidation von Eiweißen beschleunigt werden. Das habe auch der sogenannte TBARS-Wert, ein Indikator für den Verderb von Fetten, ergeben.

Regelungsmöglichkeiten bestehen

Wolfschmidt forderte die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner auf, die Behandlung von Fleisch mit Sauerstoff in höheren Konzentrationen, als er natürlicherweise in der Atemluft vorkommt, zu untersagen. Einsatz und Kennzeichnung der sogenannten Schutzatmosphären seien zwar innerhalb der EU geregelt, die Zusammensetzung der Gasgemische könne jedoch von den nationalen Regierungen festgelegt werden.

Länger hübsch und plötzlich schlecht

Die Verbraucherorganisation wies darauf hin, dass die Probleme dem Ministerium wie den Handelsketten seit längerem bekannt seien. So habe bereits das bundeseigene Max-Rubner-Institut (MRI) im Branchenblatt „Fleischwirtschaft“ in der Ausgabe 6/2009 sich sehr klar geäußert. Danach bestehe keinerlei Notwendigkeit zur Behandlung von Fleisch mit höheren Sauerstoffkonzentrationen. Sie diene lediglich dem Zweck, einen Vermarktungsvorteil durch „Aufrötung“ erzielen zu wollen. Das MRI stellte schon damals fest, dass derartig dem Sauerstoff ausgesetztes Fleisch schlagartig ranzig werde, Altgeschmack entwickle, zudem vielfältige stoffliche Umsetzungen der Lipid- und Proteinfraktion erfahre und zäh werde.

Auch gesundheitliche Beeinträchtigungen

Neben den beschriebenen Mängeln, die lediglich sensorischer Art seien, wird von den Wissenschaftlern auf die Bildung von Cholesteroloxiden in der Sauerstoffschutzatmosphäre der Fleischverpackungen hingewiesen. Dabei handele es sich um „anerkannt toxische Substanzen“. Sie werden mit der Entstehung von Arteriosklerose oder auch Krebs in Zusammenhang gebracht.

Es gibt Alternativen

Wolfschmidt kritisierte sowohl die Bundesregierung wie die Branche. Beide wüssten längst um Nebenwirkungen und Risiken der Sauerstoff-Behandlung für die Verbraucher. Sie ignorierten und vertuschten sie jedoch – das sei der eigentliche Skandal. Zudem seien kostenneutrale Alternativen zu den Verpackungen mit Sauerstoff-Atmosphäre bekannt. Von den Wissenschaftlern des MRI werde hierzu auf den Einsatz von Stickstoff statt Sauerstoff oder die Verwendung von Vakuumverpackungen verwiesen. Allerdings könne das Fleisch dabei nicht so schön künstlich „aufgehübscht“ werden. (kws)




2. August 2010 | Kategorie: Ernährung

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