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Gentechnik, Genmais und Monsanto

Anbauverbot spaltet Regierung

Bundesforschungsministerin Annette Schavan bedauerte die Entscheidung von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, den Anbau der gentechnisch modifizierten Maislinie MON810 zu verbieten. Bundesumweltminister Siegmar Gabriel begrüßte die Entscheidung von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, den Anbau der gentechnisch modifizierten Maislinie MON810 zu verbieten. Beide haben gute Gründe.

Grüne Gentechnik ist Zukunftstechnologie

Schavans große Sorge gilt einer Beeinträchtigung der Forschung, wobei sich die Ministerin gleichzeitig auf die Europäische Behörde für die Lebensmittelsicherheit (EFSA) berief, die im Dezember 2008 dem Genmais MON810 Sicherheit in allen relevanten Bereichen bescheinigt hatte. Schavan sagte, Forschung für die grüne Gentechnik sei Teil der Hightech-Strategie der Bundesregierung, worüber es zwischen allen Ressorts Konsens gebe. Sie schob damit sowohl die Bundeslandwirtschaftsministerin wie auch den Bundesumweltminister ins forschungspolitische Abseits. „Die grüne Gentechnik ist eine wichtige Zukunftstechnologie, von der sich weder Deutschland noch Europa verabschieden dürfen.”

Schavan kündigte an, einen runden Tisch mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und anderen betroffenen Ressorts im Bund und in den Ländern ins Leben rufen zu wollen mit dem Ziel, die Attraktivität des Forschungsstandortes Deutschland zu sichern. „Wir brauchen klare Signale für die Forschung in der grünen Gentechnik in Deutschland und in Europa. Angesichts vieler Ängste und Unsicherheiten bei den Bürgern benötigen wir eine faire und verantwortungsbewusste Debatte über Chancen und Risiken.”

Absehbarer Kollateralschaden droht

Bundesumweltminister Siegmar Gabriel begründete seine Ablehnung damit, dass er noch nicht alle Zweifel über die Umweltverträglichkeit der Maislinie ausgeräumt sehe. Die Neuzulassung in der EU werde derzeit geprüft. „Wir brauchen ein überzeugendes Monitoring, damit auch dauerhaft sicher ist, dass Umwelt und Natur nicht geschädigt werden.” Gabriel vertritt daher die Meinung, im Rahmen einer Neuzulassung nach neuem EU-Recht, welche Monsanto beantragt hat, müsse auch über das zukünftige EU-weite Monitoring der Umweltwirkungen entschieden werden.

Tatsächlich haben wissenschaftliche Untersuchungen, die in den vergangenen zwei Jahren vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) ausgewertet worden waren, ergeben, dass durch das gentechnisch eingearbeitete Insektenvernichtungsmittel nicht nur das eigentliche Ziel, der Maiswurzelbohrer getötet wird, sondern auch Bienen, Schmetterlinge, verschiedene Wasserorganismen und Marienkäferlarven bedroht sind. Diesen Hinweisen müsse im Rahmen des Monitoring nachgegangen werden. Nach Meinung Gabriels habe der Ende März von Monsanto vorgelegte Bericht über das Monitoring-Programm in Deutschland in dieser Hinsicht nicht überzeugt. Der Bericht wurde von dem Konzern „freiwillig” angefertigt und vorgelegt, weil dieser sich mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) darauf geeinigt hatte. Aus Sicht des Ministers weist der Bericht „fachliche und handwerkliche Mängel auf”. Die vereinbarten Monitoring-Maßnahmen seien völlig ungeeignet, Zweifel an der Umweltverträglichkeit auszuräumen.

Wer oder was ist Monsanto?

Monsanto ist ein börsennotierter internationaler Agrarkonzern mit Sitz in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) und einem Umsatz im Jahr 2008 von 11,4 Milliarden US-Dollar (8,6 Milliarden Euro). Monsanto beschäftigt weltweit 17.000 Mitarbeiter in mehr als hundert Ländern. Im Jahr 1901 als Chemiekonzern gegründet wurde das Unternehmen mit der Produktion von Saccharin und Koffein groß. Seit 1940 entwickelte sich Monsanto zum Spezialisten für Agrarchemie. In den 1960er- und 1970er-Jahren produzierte Monsanto neben Dow Chemical das hochgiftige sogenannte Entlaubungsmittel Agent Orange. Nebenbei bemerkt wurden dessen Verfahren und Wirkstoffe seinerzeit in Deutschland gekauft.

Das Unternehmen wandelte sich zum Weltmarktführer bei der Entwicklung und Produktion von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut unter Einsatz biotechnologischer Verfahren. Seit 1999 wandte Monsanto über 13 Milliarden US-Dollar (9,8 Milliarden Euro) auf, um weltweit Saatgutfirmen aufzukaufen.

Spätestens durch seine juristischen Auseinandersetzungen kam der Konzern nachhaltiger ins Gerede. So musste er nach verschiedenen Sammelklageverfahren wegen gesundheitsschädlicher Produkte bereits mehrere hundert Millionen Dollar bezahlen. Umgekehrt nimmt das Unternehmen selbst häufig Gerichte in Anspruch, um seine gentechnischen Patente durchzusetzen.

Saat des Selbstmords

Derzeit produziert Monsanto rund 90 Prozent aller weltweit angebauten Genpflanzen, was den Verdacht nahelegt, dass der Konzern auf Dauer die Landwirtschaft global unter seine Kontrolle bekommen möchte. Kleines Indiz hierfür ist etwa die vertragliche Bindung von Landwirten an das Unternehmen, die es diesen verbietet, die eigene Ernte als Saatgut zu benutzen. Weil in verschiedenen Ländern eine solche Klausel rechtlich gesehen wegen Sittenwidrigkeit hinfällig werden könnte, hat Monsanto die sogenannte Terminator-Technologie entwickelt. Das heißt, das Saatgut kann mit Hilfe eines „Selbstmord-Gens” entweder selbst keine keimfähigen Samen produzieren oder es bringt in der folgenden Generation nur sehr schlechte Ernte-Ergebnisse. Dieses Verfahren hat dazu geführt, dass unter indischen Mais- und Baumwollbauern wegen stark und ständig steigender Saatgutpreise und vieler Missernten die Suizidrate stark angestiegen ist.

Monsanto hat zudem sogenanntes Hybrid-Saatgut im Programm, welches nach einmaliger Aussat, also nach der Ernte, nicht mehr als Saatgut verwendet werden kann. Im Unterschied zu den „Terminator-Samen” wird das Hybrid-Saatgut nicht gentechnisch, sondern durch Züchtung gewonnen. Beide Produkte haben das Ziel, die Ernährung ganzer Völker abhängig von Monsanto zu machen. (kws)




15. April 2009 | Kategorie: Ernährung

2 Kommentare »

  1. [...] Umgebung f

  2. Also wirklich unglaublich. Ein No-Go!

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