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TCM in der Ernährung

Der therapeutische, gesundheitliche und kulinarische Nutzen

Inke Kruse

Die Traditionelle Chinesischen Medizin (TCM) trennt nicht zwischen Ernährung und Gesundheitspflege beziehungsweise Medizin. Lebensmittel wirken wie Heilkräuter, nur sanfter. Und so betrachtet werden sie auch eingesetzt. Dies kann man an den chinesischen Kraftsuppen besonders gut erkennen und vor allem spüren.

Der Hühnerkraftsuppe werden zusätzlich zu Gewürzen und Gemüsen chinesische Kräuter beigefügt, die in der sogenannten Materia Medica, dem chinesischen Kräuterhandbuch, verzeichnet sind. Je nach individuellem Bedarf können das beispielsweise die chinesische Angelikawurzel oder Bocksdornfrüchte sein. Spinat wirkt auf Magen, Dickdarm und Niere. Die TCM-Ernährungstherapeutin kennt für alle Lebensmittel deren spezielle Wirkung auf Körper und Seele.

Richtiges Kochen ist ein Therapiebaustein

Wem hilft die TCM-Ernährungstherapie? Sie wird Menschen mit den unterschiedlichsten Beschwerden empfohlen, wie Erschöpfung oder Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Gewichtsproblemen, Heißhunger oder Appetitmangel, Störungen des Magen- und Darmtraktes, Allergien oder Nahrungsmittel-Intoleranzen, Bluthochdruck, Krebs, Hauterkrankungen oder anderen Symptomen. Nach ausführlichem Anamnese-Gespräch mit Zungen- und Pulsbetrachtung erhält der Klient Empfehlungen für zu meidende und für therapeutisch hilfreiche Lebensmittel. Auch die verschiedenen Zubereitungsformen wie Kochen, Braten oder Dämpfen verändern die Wirkung der Speise. Deshalb gibt es entsprechende Tipps zur idealen Zubereitung. Wer entsprechend kocht, kann mit dem täglichen Essen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden nehmen. Für jeden TCM-Therapeuten ist die Ernährung ein wichtiger Baustein. „Seit ich Tomaten und Pfefferminztee weglasse und täglich etwas Gekochtes esse habe ich keine kalten Füße mehr.”

Alle Lebensmittel haben eine besondere Wirkung

Jedes Lebensmittel wird ganzheitlich in seiner Wirkung auf Körper und Seele betrachtet, und nicht wegen einiger Inhaltsstoffe hier oder da eingeordnet. Dazu gehören die spezielle Wirkung auf ein Organ, der Geschmack und die thermische Wirkung. Weizen, Sellerie und Äpfel wirken kühlend, Fenchel, Hafer und Basilikum wirken wärmend auf den Organismus. Wer oft kalte Hände oder Füße hat, wer viel friert wählt eher wärmende Lebensmittel. Der „Hitzkopf”, der eher leichte Kleidung trägt und des Nachts heiße Füße hat, wählt kühlende Lebensmittel. Schon wer Lebensmittel allein nach ihrer thermischen Wirkung auswählt, verspürt eine deutliche Veränderung im seinem Befinden.

„Sauer reist zur Leber, Bitter reist zum Herzen, Süß reist zur Milz, Scharf reist zur Lunge, Salzig reist zur Niere”. Dieses Zitat aus der chinesischen Medizin stellt die Wirkung der unterschiedlichen Geschmacksrichtungen dar.

Element Holz Feuer Erde Metall Wasser
Geschmack sauer bitter süß scharf salzig
Yin-Organ Leber Herz Milz Lunge Niere
Yang-Organ Gallenblase Dünndarm Magen Dickdarm Blase
Jahreszeit Frühling Sommer Erntezeit/ Spätsommer Herbst Winter
Klima Wind Hitze Feuchtigkeit Trockenheit Kälte
Emotion Wut Freude Sorgen Trauer Angst
Farbe blau/grün rot gelb weiß/hellgrau Blau / schwarz

Die Tabelle zeigt die Zuordnung der Elemente zu den Geschmacksrichtungen. Meist kann das durch  Probieren selbst herausgefunden werden: Zitronen sind sauer und stehen im Holzelement, Ruccola ist bitter und steht demnach im Feuerelement, Möhren sind süß, ein Erdelement, Radieschen sind scharf, ein Metallelement und so weiter. In Maßen genossen hat jeder Geschmack die gewollten Wirkungen auf das entsprechende Organ, im Übermaß führt es unerwünschten Wirkungen. Bittere Lebensmittel und Getränke regen das Herz an. Zuviel Kaffee führt zu Herzrhythmusstörungen und Unruhe. Vor dem Hintergrund der Elemente spielen Gewürze eine wichtige Rolle in der Fünf-Elemente-Küche. Die meisten Gewürze stehen im Feuerelement (bitter) oder im Metallelement (scharf). Aromastoffe täuschen uns lediglich einen bestimmten Geschmack vor, sie maskieren, und sie haben keine positive Wirkung im Sinne der TCM. Sie gehören daher nicht auf den Teller. In der Fünf-Elemente-Küche werden hochwertige Kräuter und Gewürze bevorzugt. Ein Beispiel dafür liefert das Rezept zur Zubereitung von Möhren.

Eine Mahlzeit, in der alle fünf Elemente vorkommen, nährt den ganzen Menschen und schmeckt sehr harmonisch. Selbst am Geschmack einer Speise ist die Ausgewogenheit spürbar – es lohnt sich, einen Versuch zu wagen. So sind Fünf-Elemente-Gerichte immer bekömmlich, steigern das Wohlbefinden und hinterlassen einen zufriedenen Eindruck, ein Erlebnis, das die Teilnehmer eines Fünf-Elemente-Kochkurses immer wieder genießen. Obwohl spät und reichlich gegessen wird, treten nach dem schmackhaften Essen alle Teilnehmer mit einem angenehmen Wohlgefühl den Heimweg an.

Fünf-Elemente-Möhren

250 g junge Möhren, 3 EL Gemüsebrühe, frischer geriebener Ingwer, etwas Rosmarin, gemahlener Kardamom, 25 g Butter, Honig, 1 – 2 TL Zitronensaft, Salz, Petersilie. Die Möhren werden schräg in Scheiben geschnitten und in Butter und Brühe zusammen mit den Gewürzen gedünstet. Guten Appetit!

Inke Kruse ist Diplom-Ökotrophologin und
Ernährungsberaterin nach TCM in Bonn
e-Mail: tcm@inke-kruse.de
www.inke-kruse.de




13. August 2008 | Kategorie: Ernährung

Ein Kommentar »

  1. hier gibt es noch weitere tolle TCM Rezepte

    http://tcm-akupunktur.blogspot.com

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