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Trinkwasserkeime: Wasserversorger unschuldig

Verantwortung bei den Betreibern der Hausinstallationen zu suchen

In zehn Großstädten hatten der TÜV Rheinland und ARD Plusminus jeweils fünf Wasserproben gezogen, nicht wie üblich der Trinkwasserverordnung gehorchend, sondern, an der Realität orientiert, direkt aus dem Wasserhahn. Die Tester holten ihre Proben aus Bahnhofstoiletten, Rathäusern, Krankenhäusern, Altenheimen und Universitäten. Die mikrobiologische Untersuchung führte zu alarmierenden Ergebnissen. Jetzt haben sich die Trinkwasserversorger zu Wort gemeldet. Der für Wasser zuständige Geschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (bdew), Martin Weyand, machte die Objekt-Eigentümer beziehungsweise -Betreiber verantwortlich.

Keimkolonien, Foto: TÜV Rheinland, Köln

Deutschland ist für seine Trinkwasserqualität bekannt. Dennoch hatte die Untersuchung der fünfzig Wasserproben gezeigt, dass rund die Hälfte über den Grenzwert hinaus verkeimt war. Dr. Walter Dormagen, Experte für Mikrobiologie beim TÜV Rheinland, erklärte, jede zweite Wasserprobe sei belastet gewesen: „Neben einer deutlichen allgemeinen Verkeimung haben wir in einigen Wasserproben auch E.coli beziehungsweise Coliforme-Bakterien* und Legionellen gefunden. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem können diese Belastungen eine Gesundheitsgefährdung darstellen.“ Dormagen erklärte weiter, die ersten Keimkolonien im Labor haben sich bereits nach wenigen Tagen entwickelt. In einem Falle sei der Grenzwert um das achtfache überschritten worden.

Wasserqualität und Hausinstallation getrennt betrachten

Trinkwasser in Deutschland soll sauber im Sinne der Trinkwasserverordnung aus dem Wasserhahn kommen. Die Wasserwerke hierzulande betonen, dass Trinkwasser das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland überhaupt sei. Allerdings sind die Wasserversorger nur bis zum Hausanschluss in der Verantwortung. So weist die Wasserlobby darauf hin, die Trinkwasserqualität an sich und der Betrieb der Hausinstallationen in den Gebäuden müssten klar getrennt werden. bdew-Geschäftsführer Weyand sagte dazu: „Damit [...] die von den Wasserversorgern einwandfrei gelieferte Trinkwasserqualität auch beim Verbraucher ankommt, müssen die Wasserinstallationen in den Gebäuden den technischen Standards entsprechen und regelmäßig gewartet werden. Die deutsche Trinkwasserverordnung schreibt vor, dass nicht nur bei Planung und Bau, sondern auch beim Betrieb von Hausinstallationen bestimmte technische Regeln zu beachten sind.“

Hygiene bei sanitären Anlagen beachten

Das sieht auch der TÜV Rheinland. Eine Grundvoraussetzung für sauberes Wasser seien saubere Leitungen, die von ausreichend fließendem Wasser durchgespült werden. „Verkeimungen können zum Beispiel durch kaputte Leitungen oder retrograde Verkeimung, eine Rückverkeimung durch stehendes oder nur langsam fließendes Wasser, entstehen. Stagniert das Wasser in den Leitungen oder fließt nur wenig Wasser mit wenig Druck durch die Leitungen, können sich leicht sogenannte Biofilme bilden, die dann dauerhaft Keime in das Trinkwasser abgeben“, so Dormagen. Desweiteren könne mangelnde Hygiene in den sanitären Anlagen zu einer Verkeimung führen. Auffällig im Test sei, dass in jeder Stadt mikrobiologische Belastungen im Trinkwasser gefunden worden waren.

Technische Erfordernisse

Weyand wies auf weitere Ursachen von Verkeimungen hin. So könnten Fehler und Mängel bei der Hausinstallation die Trinkwasserqualität beeinträchtigen. Als Beispiel nannte er den Einsatz ungeeigneter Werkstoffe. Zudem bestehe die Gefahr, dass eine unzureichende Isolierung des Kaltwasserssytems sowie der falsche Betrieb  des Warmwassersystems zur Legionellenbildung führe. Das sei auch der Grund, warum das Bundesgesundheitsministerium in der Trinkwasserverordnung Pflichten für die Betreiber von Hausinstallationen festgeschrieben habe. (kws)

*Coliforme-Bakterien sind laktosespaltende Entero-Bakterien (Darm-Bakterien) zu den auch E.Coli zählt.




3. August 2011 | Kategorie: Ernährung

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