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Biotechnologie soll Klimawandel Stirn bieten

Forschungsministerin will bessere Pflanzen

„Pflanzen sind die Grundlage unserer Ernährung. Wir müssen sicherstellen, dass der wachsenden Weltbevölkerung ausreichende und gesunde Nahrungsmittel zur Verfügung stehen und dass wir dem Klimawandel mit Dürreperioden, Überflutungen und Ausbreitung von Schädlingen wirkungsvoll begegnen“, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan anlässlich der Grünen Woche in Berlin. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die Notwendigkeit des Einsatzes biotechnologischer Verfahren.

Die Ministerin zeigte sich überzeugt davon, dass es „bessere“ Pflanzen geben müsse, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden zu können. Bei deren Züchtung könnten „immer zielgenauere Methoden“ wie gen- und biotechnische Analysen die traditionelle Züchtung beschleunigen und für die gewünschten Eigenschaften sorgen. Dabei solle die Entwicklung von Energiepflanzen vorangetrieben werden, deren Zellwände für die Herstellung von Biotreibstoff optimiert sind, und die zugleich nicht in Konkurrenz zur Ernährung der Bevölkerung treten.

Trotz Trockenheit höhere Erträge

Die Pflanzenforschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ist Bestandteil der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“. Damit sei die Bundesrepublik Deutschland internationaler Vorreiter einer biobasierten Wirtschaft, zeigte sich die Ministerin erfreut. Als ein Beispiel verwies sie auf das BMBF-Projekt „GABI-GRAIN“ (GABI steht für German Agri-Biotech Initiative, GRAIN für Getreide), innerhalb dessen sich Forschungseinrichtungen und Pflanzenzüchter zusammengeschlossen haben. Das Projekt habe mit der Zucht von trockenresistenten Gerstenlinien erste Erfolge zu verzeichnen. Einzelne Gerstenlinien sollen gar bei Trockenheit höhere Erträge bringen, als unter Normalbedingungen. Zudem seien Gene identifiziert worden, „deren Aktivität mit hohem Stärke- und Eiweißgehalt im Korn und damit mit hohem Ertrag korrelieren“.

Bald Erdbeeren auf Rezept?

Als weiteres Beispiel dient dem Ministerium die Erdbeere. Sie enthalte zahlreiche Stoffe, die in der Lagen seien, das Risiko chronischer Erkrankungen zu reduzieren. Münchner Wissenschaftler sollen jetzt Erdbeersorten mit einem möglichst hohen Gehalt dieser Stoffe züchten. Anschließend werde mit Kollegen aus Spanien und Frankreich im Rahmen des gemeinsamen Projekts „FraGenomic“ nach denjenigen genetischen Merkmalen gesucht, mit deren Hilfe die Zucht dieser der Gesundheit besonders förderlichen Erdbeersorte beschleunigt werden könne. Die Bayern haben bereits Erfolge zu verzeichnen. So seien erste Hinweise darauf entdeckt worden, welche genetischen Prozesse die Bildung der gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe steuern.

Treibstoff aus Blättern

Es ist absehbar, dass die Gewinnung von Energie aus Biomasse mit den herkömmlichen Produktionsmethoden in Konkurrenz zur Futter- und Nahrungsmittelproduktion treten wird. Derzeit dienen der Produktion von Bioethanol Maiskörner, Zuckerrohr und Zuckerrüben. Es wäre nur sinnvoll, in erster Linie auf diejenigen Pflanzenteile zurückzugreifen, die nicht als Lebens- oder Futtermittel genutzt werden, also Blätter, Stängel oder Halme. Allerdings müsste dafür die Zellstruktur dieser Pflanzenteile „aufgeschlossen“ werden. Das soll das internationale Verbund-Projekt „GABI-CELLWALL“ unter Leitung des Max-Planck-Instituts für molekulare Pflanzenphysiologie richten. Die Wissenschaftler wollen den Zellwandaufbau in diesen Pflanzen so verändern, dass die aus Nahrungs- und Futtermittelsicht als Abfall geltenden Pflanzenteile leichter zu Treibstoff verarbeitet werden können. Auch hier sind erste Erfolge zu verzeichnen: Die hochkomplexen Zuckermoleküle der Zellwände konnten durch weniger komplexe ersetzt werden, ohne dass die Stabilität der Pflanze gelitten hat. (kws)




24. Januar 2011 | Kategorie: Ernährung

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