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Essen und Verdauen, ein komplexer Vorgang

Es kommt auf das Zusammenspiel an

Auf dem Weg der Nahrung vom Mund über den Magen in den Dünndarm setzen chemische Prozesse ein, die die Nahrung in solche Nährstoffe aufgespalten, die der Körper verwerten kann. Diese Nährstoffe müssen letztendlich durch die Darmwand an ihren jeweiligen Bestimmungsort gelangen.

Im Mund wird die Nahrung zerkleinert. Deren Aussehen, Geruch und Geschmack veranlassen drei paarweise angeordnete Speicheldrüsen zur Produktion von Speichel. Manchmal reicht dafür auch schon die bloße Vorstellung von der Nahrung aus. Der Mensch produziert pro Tag bis zu eineinhalb Liter Speichel. Er ist leicht sauer (pH 5,5-8), klar, geruch- und geschmacklos. Er besteht zu rund 99% aus Wasser und enthält unter anderem Schleimstoffe und ein Verdauungs-Enzym. Die Schleimstoffe machen den Speisebrei gleitfähig – wir würden uns sonst schon an der Kruste eines knusprig gebackenen Brötchens verletzen – und sind ein Schutz gegen Krankheitserreger. Das Enzym „Alpha-Amylase” (Ptyalin) spaltet Stärke und Glykogen auf. Die Verdauung beginnt also bereits im Mund.

Das erste Etappenziel, der Magen

Dann wird die zerkleinerte Nahrung geschluckt und in die Speiseröhre befördert. Diese ist ein 20 bis 25 Zentimeter langer, weicher und muskulöser Schlauch. Sie befördert den vorverdauten Speisebrei in den Magen. Der Magen ist ein Hohlmuskel. Er ist dehnbar, daher passen etwa ein bis zwei Liter Nahrung hinein. Der Magen hat einen oberen Teil, den „Fundus Gastricus”, einen mittleren Teil, den „Corpus”, und einen unteren Teil, den Pförtnerabschnitt.Magenschema

Der Fundus Gastricus ist – beim aufrechtstehenden Menschen – der höchste Punkt des Magens. Daher sammelt sich hier auch die Luft an, die beim Essen unwillkürlich mit geschluckt wird. Gleichzeitig ist er so etwas wie ein Vorratsbehälter, aus dem er nach und nach Nahrung abgibt.

Der größte Teil des Magens, der Corpus, liegt unterhalb des Fundus Gastricus. Durch diesen ziehen sich vom Mageneingang bis zum Ausgang tief eingeschnittene Schleimhautfalten, auch Magenstraße genannt. Ganz nebenbei lassen die Schleimhautfalten Flüssigkeit besonders gut ablaufen.

Der Pförtnerabschnitt beginnt mit der Pförtnerhöhle (Antrum Pyloricum), setzt sich fort mit dem Pförtnerkanal (Canalis Pyloricus) und mündet in den „Pylorus”, den eigentlichen Pförtner. Ein kräftiger, ringförmiger Muskel, der Magenschließmuskel, verschließt den unteren Magenmund (Ostium Pyloricum). Auch der Pylorus ist ein Schließmuskel und lässt portionsweise Nahrungsbrei in den Zwölffingerdarm, den obersten Abschnitt des Dünndarms, rutschen. Im Übrigen hat der Muskel die Aufgabe, den sauren Magenbereich zum Zwölffingerdarm hin abzugrenzen.

Der Magen ist lückenlos mit einer Schleimhaut ausgekleidet in der sich sogenannte „Belegzellen”, „Hauptzellen” und „Nebenzellen” befinden.

Belegzellen (Parietalzellen) befinden sich überwiegend im mittleren und unteren Teil der Magenschleimhaut. Sie sorgen hier unter anderem für die Produktion von 0,5%iger Salzsäure. Die Belegzellen sind so groß, dass sie häufig zwei Zellkerne besitzen.

Hauptzellen befinden sich in den Schleimhautfalten unten. Sie produzieren Fett spaltende Enzyme (Pepsinogen und Lipasen) und Eiweiß. Zusammen mit der Salzsäure ergibt das den Magensaft, von dem etwa 2 Liter täglich produziert werden.

Die Nebenzellen sorgen für die Herstellung des Schleimes, der den Magen vor der Selbstverdauung schützt.

Die Fortsetzung der Verdauung im Darm

Die Entleerung des Magens wird von speziellen Gewebshormonen im Zusammenspiel mit Nerven kontrolliert. Gleichzeitig werden andere Hormone aktiviert und geben der Gallenblase und der Bauchspeicheldrüse den Befehl, weitere Verdauungsvorgänge im Dünndarm in Gang zu setzen. Dieser ist rund 3,5 Meter lang und etwa 3 cm dick. Er besteht aus dem Zwölffingerdarm, dem Leerdarm und dem Krummdarm. Der Dünndarm ist ganz ähnlich aufgebaut, wie der Magen. Innen wird er von einer Schleimhaut ausgekleidet, dann kommt eine Muskelschicht und außen eine Bindegewebshülle.

Der Zwölffingerdarm heißt so, weil er so lang ist, wie 12 Finger breit sind. Durch den Ausgang der Bauchspeicheldrüse und durch den Gallengang gelangen pro Tag etwa ein Liter Bauchspeichel und ein Liter Gallensaft in den Zwölffingerdarm. Weitere Drüsen produzieren täglich bis zu drei Litern zusätzlichen Darmsaft, der Verdauungsenzyme und schützende Schleimstoffe enthält. Alle noch unverdauten oder unverdaulichen Teile des Nahrungsbreis gelangen mit Hilfe der „Darmperistaltik”, das heißt mit Hilfe von Kontraktionen des Darms, in den Dickdarm. Diese Kontraktionswellen sorgen bereits von Anfang an für den Transport der Speisen. Speiseröhre, Magen und Darm sind nämlich aus Ring- und Längsmuskulatur aufgebaut. Die Ringmuskulatur verengt den Verdauungstrakt, gleichzeitig zieht sich die Längsmuskulatur zusammen. Dies geschieht permanent, so dass eine Kontraktionswelle entsteht. So gelangt durch Bewegungen der Zunge und der Rachenmuskeln der Speisebrei in die Speiseröhre und wird durch die Kontraktionswellen weiter in den Magen und in den Darm Richtung Darmausgang befördert. Parallel dazu sorgt die Peristaltik für eine gute Durchmischung des Speisebreis. (kws)




3. Juni 2008 | Kategorie: Ernährung

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